Rolo Tomassi – Grievances

| 1. Juni 2015 | 0 Comments
Rolo Tomassi

(c) Holy Roar Records

Nach zehn Jahren Knochenarbeit haben einzig die beiden Bandgründer Eva und Jesse Spence das Unternehmen Rolo Tomassi überlebt. Das Integrieren neuer Mitglieder zählt längst zum Alltag, brachte den Math-Dampfer aber zu keiner Zeit vom Kurs ab. Auch wenn es bis zur Veröffentlichung des brandneuen Albums „Grievances“, mit dem es zurück zu Holy Roar Records geht, etwas länger gedauert hat – die Wartezeit lohnt sich.

Positiv verrückt und stets dem Zusammenbruch nah, gestalten sich diese wuchtigen 40 Minuten, abermals geprägt von Mathcore-Wahnsinn und luftigen, experimentellen Passagen. Zahlreiche Interludes und Piano-Zwischenspiele setzen – mal mehr, mal weniger passend – Zäsuren am laufenden Band und stören schon mal den Fluss der Platte. Werden diese jedoch wohldosiert und songdienlich eingesetzt, werden aus kleinen Songs wahre Monster. Die Video-Auskopplung „Opalescent“ fällt in diesen Bereich mit ihrem unscheinbaren Auftakt zwischen Jazz, Pop und Prog. Je länger das Ding dauert, desto lauter, intensiver und härter wird es, springt aber rechtzeitig vor dem obligatorischen, offensichtlichen Ausbruch ab.

Rolo Tomassi machen so manches gerne anders und glänzen doch mit vertrauten Klängen. „Stage Knives“, die andere Single, fällt in diesen Bereich. Hier kollidieren hasserfüllte Mathcore-Passagen mit semi-balladeskem Prog-Pop, hier funktionieren die Zäsuren, lassen einen an sich starken Track noch weiter wachsen und gedeihen. „Funereal“ und „Raumdeuter“ sind die anderen von Härte und Schönklang durchzogenen, dezent schizophrenen Perlen, in denen es schon mal langsam, beinahe zu langsam wird.

Rasende Momente, beispielsweise der Opener „Estranged“, sind auf „Grievances“ seltenes Gut. Der eine oder andere Hassbrocken hätte es schon sein dürfen, aber das sind bestenfalls Peanuts, kleine Schönheitsfehler eines an sich bockstarken Albums. Angetreiben durch Drummer Tom Pitts, der hier sein Studiodebüt für die Briten gibt, lassen Rolo Tomassi wenig anbrennen, lassen es selten zu ruhig angehen. Dennoch, in seiner kompakten Wucht mit Tiefgang überzeugt auch das fünfte Studioalbum voll und ganz. Kaum zu glauben, dass die Spences erst Mitte 20 sind.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 29.05.2015
Erhätlich über: Holy Roar Records (AL!VE)

Website: www.rolotomassiband.com
Facebook: www.facebook.com/rolotomassiofficial

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Category: Magazin, Reviews

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