My Fictions – Stranger Songs

| 11. Juli 2014 | 0 Comments

My Fictions

Zyniker nehmen eine weitere Attacke auf den Converge-Thron wahr, doch wer genauer hinhört, entdeckt Feinheiten zwischen mathematisch-kühler Berechnung, chaotischen Hardcore-Weisheiten und aufwühlenden Melodien: Die US-Amerikaner My Fictions wirken wie ein Zug, der wiederholt zu entgleisen droht, und lassen hinter ihrem latenten Wahnsinn so etwas wie ein lineares Muster erkennen. Auf ihrem zweiten Album „Stranger Songs“ pflügen sie in aller Kürze von 28 Minuten über zehn neue Songs hinweg.

Dass Mengenverhältnisse letztlich unbedeutend sind, zeigen die Mannen aus Merrimack Valley, Massachusetts von der ersten Sekunde an. Nach einem ausgedehnten, bedrohlichen Intro fetzt „Mt. Misery“ los. Converge-Strukturen sind klar zu erkennen, wohl aber auch Post-Hardcore-Verrücktheit und Albtraum-Magie. Getragen werden die Tracks von Bryan Carifio, einem Mann, der unglaubliche Töne aus seinen Stimmbändern herauszuholen in der Lage ist, scheinbar spielend zwischen quälenden Schreien und verzweifeltem Sprechgesang wechseln kann.

Die gesangliche Bandbreite kommt vor allem dem Songwriting entgegen. Kaum nehmen My Fictions das Tempo heraus, werden sie bedrohlich, martialisch, kaum greifbar. „Lower (A Selfish Song)“ brennt spektakulär auf kleiner Flamme, der Rausschmeißer „Stranger“ stellt mit seinen zähen, melodischen Post-Hardcore-Gitarren das Nervenkostüm vor eine Zerreißprobe. Zwischendurch eingestreute Blendgranaten lockern das Geschehen auf, machen das Kraut aber nur bedingt fett.

Betrachtet man „Stranger Songs“ nüchtern, ist das, was man hier hört, bereits vielfach dagewesen in allen möglichen Formen. Neue Akzente setzen My Fictions nicht, schlagen dafür in eine Kerbe zwischen extrem chaotischen und beinahe emoesk-schmerzhaften Hardcore-Variationen. Das Ergebnis ist hässlich und hinterlässt unansehnliche Narben an Körper und Seele – ein Risiko, das die Amerikaner gerne in Kauf nehmen. Ihr rohes Auftreten und die rüde Direktheit machen Laune, die kathartische Wirkung dominiert ein unter dem Strich überaus smartes zweites Album.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 11.07.2014
Erhätlich über: Topshelf Records (Soulfood Music)

Facebook: www.facebook.com/myfictionsband

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Category: Magazin, Reviews

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