Napalm Death – Utilitarian

| 24. Februar 2012 | 0 Comments

Napalm Death

25 Jahre, nachdem „Scum“ Grindcore erfand und salonfähig machte, touren Napalm Death immer noch rund um die Welt. Von den ersten Line-Ups ist zwar längst niemand mehr mit an Bord (zu den Alumni zählen Lee Dorrian von Cathedral, Bill Steer von Carcass und Justin Broadrick von Godflesh / Jesu), Shane Embury hält es aber immerhin seit dem zweiten Album „From Enslavement To Obliteration“ bei den Veteranen aus Birmingham aus. Von Altersmüdigkeit ist keine Spur, ganz im Gegenteil: Auf „Utilitarian“, dem mittlerweile 14. Studioalbum, gehen Napalm Death noch konsequenter dahin, wo es weh tut, und setzen den deutlich dynamischeren Weg der letzten Platten kompromisslos fort.

Das Konzept des Utilitarismus zu erklären, würde den Rahmen sprengen. Im Groben wird das Nützlichkeitsprinzip für die ethische Bewertung einer Handlung herangezogen. Nach Jeremy Bentham gilt der Grundsatz „Handle so, dass das größtmögliche Maß an Glück entsteht!“ – für Napalm Death Ausgangspunkt dafür, sich kritisch mit politischem Opportunismus auseinanderzusetzen, der diesen Grundsatz verletzt und ausschließlich dem Einzelnen oder den Wenigen nützt. Titel wie „Orders Of Magnitude“, „Errors In The Signals“ oder „A Gag Reflex“ sprechen eine deutliche Sprache. Entsprechend wütend, aggressiv und druckvoll agieren die Briten auf Albumlänge, lassen beispielsweise in „Think Tank Trials“, „Nom De Guerre“ und „Opposites Repellent“ feinsten Old School Grindcore vom Stapel.

Über weite Strecken fällt auf, dass sich die doomigen Passagen der letzten Studioalben ein wenig intensivert haben. Was auf „The Code Is Red…Long Live The Code“ als Experiment in einem Bonus Track begann, ist mittlerweile ein erprobtes und gängiges Stilmittel, das beispielsweise den Mittelteil von „Blank Look About Face“ veredelt. Diese kurzen, schwerfälligen, Choral-artigen Passagen gehören mittlerweile zum fixen Repertoire der britischen Grind-Veteranen. Ein Track wie „The Wolf I Feed“ überrascht dennoch. Gleich zu Beginn brüllt und rotzt Gitarrist Mitch Harris wütender denn eh und je – seine Shout-Passagen werden nach wie vor übersichtlich gehalten, funktionieren als bissige Farbtupfer jedoch ausgezeichnet – nur um zwischenzeitlich von seinem Gesang (!) abgelöst zu werden; richtiger Klargesang, den man ihm gar nicht zugetraut hat. Old School Punk trifft auf Noise und Doom Rock – sicherlich einer der spektakulärsten Tracks im Fundus der Briten.

Spätestens wenn John Zorn sein Saxophon in „Everyday Pox“ auspackt, um den doomigen Track mit purem Lärm in Stücke zu reißen, ist eine tiefe Verneigung angesagt. Während die vorab veröffentlichten Tracks „Leper Colony“ (erneut mit einem Hauch Klargesang) und „Analysis Paralysis“ (ein variabler Basis Marke „When All Is Said And Done“) verhältnismäßig linear arrangiert sind, erkennt man bei näherer Betrachtung, wie komplex und schwer auszurechnen „Utilitarian“ in seiner Gesamtheit ist. Keiner der 16 Tracks gleicht dem anderen, Napalm Death loten weiterhin die Grenzen ihrer Experimentierfreudigkeit aus und liefern dabei gewohnt intelligente Lyrics, die man mangels erschwertem Verständnis mitlesen muss. Von altem Eisen ist hier nichts zu merken, denn das 14. Studioalbum gehört auch zu den besten des Vierers aus Birmingham.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 24.02.2012
Erhätlich über: Century Media (EMI Music)

Website: www.napalmdeath.org
Facebook: www.facebook.com/officialnapalmdeath

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Category: Magazin, Reviews

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