Unkind – Harhakuvat

| 16. August 2011 | 0 Comments

Unkind

Nach Jahren im Underground stellen sich Unkind einem breiteren Publikum vor. Die Finnen haben bereits vier Alben veröffentlicht und mit ihrer Mischung aus Hardcore und Crust / D-Beat für ein gewaltiges Rumpeln in skandinavischen Clubs gesorgt. Mittlerweile ist das Quintett bei Relapse unter Vertrag und macht auf „Harhakuvat“ (dt. „Illusion“) jegliche Befürchtungen, mit erhöhtem Bekanntheitsgrad würden musikalische Kompromisse einhergehen – zunichte. Im Gegenteil, Unkind wissen auf ihrem fünften Album durchaus zu überraschen.

Der eröffnende Titeltrack beginnt mit einem ausgedehnten, anderthalb Minuten langem Intro, bevor es in media res geht und die Finnen ihre Zerstörungswut entfalten. Auffällig dabei: Mehr Hardcore, mehr Melodie, mehr Melancholie; quasi die finstere, undergroundige Antithese zu Comeback Kid und Konsorten, dazu dank finnischer Text von feister Unwirtlichkeit geprägt. Zwar versteht man kein Wort, kann dafür aber das wüst rumpelnde „Kaivannot“ genießen, epische Klangbögen inklusive. Erinnert im Abgang ein wenig an straighte Heaven Shall Burn, gerade was die nachdenklichen, hoffnungslosen Untertöne betrifft.

Besonders spannend ist „Johtajat ja uhrit“ (dt. „Anführer und Opfer“) ausgefallen: Viereinhalb Minuten melancholisches Slowfood, dann ein drastisch reduziertes Arrangement mit Ausschnitten aus der berühmten Rede des britisch-jüdischen Abgeordneten Sir Gerald Kaufman, der sich kritisch mit der Rolle der israelischen Regierung auseinandersetzt und diese wegen dem überharten Umgang mit den Palästinensern angreift. Ein simpler Herzschlag beschließt dieses aufwühlende Stück Musik, leitet direkt in das infernale Instrumental „Läsnä“ über. Hinterher wird noch geballert, bevor „Koulutettu epäonnistumaan“ nach und nach im Feedbackmeer versinkt.

Einfach machen es Unkind sich und der deutlich breiteren Hörerschaft auf „Harhakuvat“ keineswegs, was natürlich Methode hat. Das gesteigerte Melodie-Empfinden suggeriert erhöhte Eingängigkeit, doch die raue Produktion, die kehligen Vocals, die endlos wirkenden Feedback-Schleifen und eben jene Rede in „Johtajat ja uhrit“ sind definitiv nichts für schwache Gemüter. Auch auf ihrem fünften Album gehen die Finnen unbeirrt ihren Weg weiter und sorgen für pure Zerstörung. Perfekt für Relapse, perfekt als Antithese – willkommen in der Metal-Öffentlichkeit.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 19.08.2011
Erhätlich über: Relapse Records (Rough Trade Distribution)

Facebook: www.facebook.com/UnkindHardcore
Myspace: www.myspace.com/unkindhardcore

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Category: Magazin, Reviews

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