Leper Colony – Back To Primal Sludge

(c) Lisa Ahlin & Saskia Grewe
Die unheilige Allianz von Marc Grewe und Rogga Johansson geht in die dritte Runde. Als Leper Colony lassen sie ihr Herz für die alte Death-Metal-Schule lautstark schlagen, bemühen sich aber stets um zumindest kleine Veränderungen. Nachdem auf „Those Of The Morbid“ die Thrash-Einflüsse des Einstands verschwunden waren, geht es nun teutonischem Death Metal an den Kragen. Zurück bleibt „Back To Primal Sludge“, eine lupenreine Old-School-Death-Metal-Platte zwischen Florida und Stockholm.
Und die hat es in sich, angefangen beim bekömmlich martialischen „Madness Is A Kingdom“, das viereinhalb Minuten lang mal eben alles zerlegt. Die verschiedenen Einflüsse liegen auf der Hand und werden mit Gusto kultiviert, das schleppende und doch drückende Tempo macht ebenso Laune wie ein Grewe ein Bestform. Wütendes Knurren, bissige Growls und gelegentliche Screams werden nur von der urplötzlichen Tempoverschärfung in den Schatten gestellt. Wunderbare Verzweiflung im Quasi-Hauptteil und sogar eine feine Prise Melodik finden zusammen. Im direkten Anschluss geht „These Blades“ kompromisslos nach vorne, baut ein wahres Bollwerk auf und überrascht mittendrin mit kaputter Entschleunigung.
Ähnlich zerstörerisch ist „Seelenjäger“, ein wunderbar angriffslustiges Stück Musik mit sägenden Gitarren, einem Hauch Dismember und infernaler Heavyness zum Drüberstreuen. Wie sich das geradezu psychotische Mini-Solo aus dem Nichts herausarbeitet, bevor ein Kapitalangriff den Schlussakt einläutet, ist ganz großes Kino. Mächtig gestaltet sich auch „Thrown To The Pigs“ mit einem der stärksten Riffs der gesamten Platte – kantig, fast verspielt, annähernd melodisch und zugleich das perfekte Sprungbrett für einen derben Nackenschlag. Einen solchen stellt auch das abschließende „Beneath The Fat And Gristle“ dar, bietet drei kompromisslose Minuten Action und bremst sich schließlich bis zum manischen Stillstand ein.
Die erneute kleine Metamorphose steht Leper Colony – wenig überraschend – richtig gut zu Gesicht und verpasst dem eigenen Sound die nächste faulige Frischzellenkur. Roh, derb und grantig von der ersten bis zur letzten Minute, verwest „Back To Primal Sludge“ in ruppiger Anmut, hustet in die Rumpelkammer und schüttelt wüste transatlantische Dampfhammer aus dem Ärmel. Grewe und Johansson stehen weiterhin für verdammt guten Death Metal der alten Schule und lassen nach diesem dritten starken Album in Folge bereits mit Spannung erwarten, in welche Richtung es demnächst gehen könnte.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 09.10.2026
Erhältlich über: Testimony Records (SPKR)
Facebook: www.facebook.com/lepercolonyband


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