The Last Vinci – 15 Minutes At A Time

| 15. April 2026 | 0 Comments
The Last Vinci

(c) Conor Bradley / Black Mantra Photography

Vor etwa zwei Jahren hatte sich Alex Vinci mit dem Gedanken beschäftigen müssen, ein letztes Mal zu touren. Bloß zehn Tage vor einer Konzertreise durch Europa mit The Last Vinci war bei ihm eine chronische Krankheit festgestellt worden. Der Rückhalt seiner Frau und seiner sechs Kinder half ihm letztlich dabei, einen neuen Zugang zum Alltag und zur (kreativen) Arbeit zu finden, die für ihn funktioniert. Vincis Frau gab ihm folgenden Rat mit auf den Weg: „Take it 15 minutes at a time“. Dieses Leben und Planen in Viertelstundenabschnitten wurde zum Mantra und Titel für das neue Album seiner Band: „15 Minutes At A Time“.

Nach dem bewusst kollaborativen Vorgänger geht es dieses Mal mehr denn je um den eigenen Sound und die eigene Story. Und das sorgt für zahlreiche packende Songs, darunter das wüste „Living Certified Disaster“, das nach Antworten sucht, sich zu berappeln versucht und von drückender, metallisch angehauchter Wucht begleitet wird. Stellenweise erinnern die Iren sogar etwas an eingängige Therapy? und erzeugen damit einen starken Kontrast zu den ruhigen, nachdenklichen Nummern. Dazu zählt der Fünfminüter „Everything Behind“, der wie eine Power-Ballade auftritt und spät abhebt, oder das bewegende, folkig-verspielte Duett „Moon Lullaby“ am Ende des Albums.

Wer die mit Stoner flirtenden Riffs vermisst, wird beispielsweise in „Better To Never Know“ fündig. Der legere, abgehangene Wüsten-Sound trifft auf kraftvollen Alternative Rock, geht mit wachsender Begeisterung nach vorne und lässt selbst in eingängigen Momenten die Muskeln spielen. Ähnliches vollbringt das betont laute, übersteuerte „Begging For Some Help“, das stellenweise wie der Fall in eine bodenlose Spirale des Schreckens anmutet und dabei eine knackige Hook aus dem Ärmel schüttelt. Das furiose „Unbalanced Unaddressed“ packt hingegen wieder den Desert-Sprint aus und treibt den Track regelrecht vor sich her. Auch das steht dem Trio aus Cork gut zu Gesicht.

Ein berührendes, energiegeladenes Album später darf man sich über The Last Vinci in Bestform freuen und von Alex Vinci höchst beeindruckt zeigen. Die schiere Kraft und Energieleistung hinter dieser Platte ringen Respekt ab, von der musikalischen Vielfalt ganz zu schweigen. Denn „15 Minutes At A Time“ bringt einige der ruhigsten und fragilsten Momente mit, nur um im nächsten Moment mit wachsender Begeisterung am Rad zu drehen, monolithische Riffwände und Lautstärke satt auszupacken, bevor feinsinnige, catchy Melodien das Heft in die Hand nehmen. Diese bekömmliche Wundertüte bietet maximalen Unterhaltungswert. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass es dieses Album gibt (oder dass ein Nachfolger kommen wird), doch ist diese Energieleistung von The Last Vinci mehr als stark geworden.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 17.04.2026
Erhältlich über: Narrow Door Records

Website: thelastvinci.com
Facebook: www.facebook.com/TheLastVinci

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Category: Magazin, Reviews

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