The Light Below – Georgia

| 27. Januar 2026 | 0 Comments
The Light Below

(c) Pauline Fabry

Außergewöhnliches steht bei The Light Below gewissermaßen an der Tagesordnung, wenn auch selten. Ihr erstes Album nahmen die Berliner als Trio auf, mit Doom, Sludge und Post Metal versehen, als eigentümliche Klangmeditationen direkt aus dem Funkhaus. Das alles ist jedoch nichts gegen „Georgia“, den in jeder Hinsicht wahnwitzigen Nachfolger. Hier treffen traditionelle Volkslieder aus verschiedenen Regionen Georgiens auf donnernde Post- und Avantgarde-Arrangements, in enger Zusammenarbeit mit dem georgischen Frauenchor AKHLA. Der instrumentale Teil wurde hingegen noch vom viel zu früh verstorbenen Steve Albini aufgenommen.

Tracks wie „Tsinskharo“, das bereits in Werner Herzogs „Nosferatu“-Verfilmung verwendet wurde (ursprünglich von einem Männerchor intoniert), erhält hier einen besonders eigentümlichen Anstrich. Über weite Strecken stehen die Vocals fast für sich alleine, erst spät setzt das Arrangement so richtig ein, mit seinen Doom- und Sludge-Wänden, die für krasse Gegensätze sorgen und in gänzlich andere, auf angenehme Weise verstörende Welten entführen. Dort lauert bereits „Dideba“ und baut lange in Richtung Katharsis auf. Das große, lautmalerische Plateau bleibt jedoch aus. Stattdessen verführen The Light Below und AKHLA mit dem folkloristischen und zugleich finster angehauchten Weg dorthin.

In „Bicho“ finden beide Welten nahezu tanzbar zusammen, nähern sich einer Art Polka, die sich jedoch besonders eng mit apokalyptischer Klangästhetik auseinandersetzt. Der Untergang scheint nahe, kurz vor dem Absturz ist Schuss. Aus den ellenlangen Meditationen von „Kirialesa“ erhebt sich ein Crescendo, das selbst Amenra nicht kalt lassen würde. Rohe, ungeschliffene Post-Metal-Klangästhetik und das Halten eines durchdringenden Tons wühlen das Nervenkostüm ebenso auf wie das erst zaghafte, fast freundliche „Batonebo“. Feinsinnige Chor-Passagen wechseln sich mit fast noisigen Gitarrenwänden ab, während die Rhythmusabteilung sogar mit Drone-Ästhetik experimentiert.

Selbstverständlich ist das alles andere als einfache Kost, aber gerade deswegen so faszinierend, so bärenstark, komplett für sich einnehmend. Selbst für Post-Metal-Verhältnisse ist das hier ein außerordentliches Stück Musik, fernab jeglicher Konventionen, Erwartungen und Hörgewohnheiten. Exakt das macht „Georgia“ großartig. Natürlich ist Albinis unverkennbare Klangästhetik in jeder Sekunde hörbar und spürbar, lässt den Meister vermissen und sorgt für spröde Verstörung der anmutigen Sorte. In Verbindung mit aufwühlenden Volksliedern und einem starken Chor finden musikalische Welten zusammen, eigentlich widersprüchlich und doch so mächtig. Das hier ist verdammt stark.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 30.01.2026
Erhältlich über: My Proud Mountain (Cargo Records)

Website: thelightbelow.bandcamp.com
Facebook: www.facebook.com/p/The-Light-Below-100064234891707

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Category: Magazin, Reviews

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