Loons – Life Is

(c) Bertrand Richardeau
Drei junge Franzosen Anfang 20 reisen musikalisch bis weit in die 90er zurück: Loons ließen bereits 2022 mit ihrer EP „Cold Flames“ erstmals aufhorchen, ein kurioser wie bekömmlicher Mix. Mit etwas Anlauf und dem einen oder anderen Song dazwischen geht es nun sogar an ein komplettes Album. „Life Is“ wirkt, in so ziemlich jeder Hinsicht, mitten aus dem Leben gegriffen und sucht seinen Weg zwischen sanftmütiger Introspektive und ruppigen Gefühlsausbrüchen.
Typisch für dieses Spiel mit vermeintlichen Extremen ist „KATAG (971 People Down)“, das den Spagat der dynamischen Zwischenwelten wie nur wenige andere Songs strapaziert. Lange Zeit verharren die Herren aus Montpellier in nachdenklicher, luftiger Starre, dann wird auf den großen, kathartischen Höhepunkt hingearbeitet … und plötzlich gehen kurze, Stakkato-artige Attacken durch die Decke, beherzte Screams inklusive. „Now I Sigh“ gibt sich hingegen von Anfang an nervös, bevor das Trio abhebt und komplett eskaliert. Dass dabei dennoch so etwas wie Harmonien erkennbar bleiben, passt angenehm ins Bild.
Stark ist auch der Opener „Among The Mourners“, der sich als kantiges, leicht noisiges Muskelpaket entpuppt. Speziell die Gitarrenarbeit fällt richtig schön dreckig aus, während melancholische Einschübe und ebenso plötzliche Druckwellen unaufhaltsam erfassen. Die erst melodischen, dann kauzigen und sperrigen Texturen des folgenden „Fight Scene“ passen ins Bild, nehmen nicht zum letzten Mal einen Hauch Fugazi mit und kratzen richtig schön. Das gelingt auch dem ellenlangen „No Bodies Glide“, das konstant zu kippen droht, sich wiederholt häutet und fast nebenbei eine der couragiertesten Gesangs-Performances der gesamten Platte aus dem Ärmel schüttelt.
Was „Life Is“ so spannend macht, ist der doppelte Boden hinter den anfangs netten bis sympathischen Songs. Die legen nämlich manch einen drastischen, kaputten Abgrund offen, mit fiesen, kleinen Widerhäkchen ausgestattet. Und dann explodiert das Pulverfass, wird Post-Hardcore zur überdrehten Ausdrucksform mit Screamo-Schlagseite erklärt, spielt mit schroffen Noise-Klängen und komplettiert die Reise durch die 90er mit dickem Grunge- und Alternative-Charme. Da schwingen natürlich, neben den bereits erwähnten Fugazi, auch Unsane und (frühe) Hüsker Dü mit, aber auch zig andere Bands. Dennoch setzt sich der ureigene Loons-Sound durch und schafft eine packende, mitreißende und verstörende Grenzerfahrung der harmoniebedürftigen Art.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 28.11.2025
Erhältlich über: Howlin‘ Banana / Modulor
Bandcamp: loonsrock.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/loonstheband


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