Omnium Gatherum – May The Bridges We Burn Light The Way

(c) Jari Heino
Das Wechselspiel bei Omnium Gatherum geht weiter. Nach nur einer EP ist Gitarrist Nick Cordle schon wieder raus. Zumindest in ihren Pressefotos treten die Finnen aktuell als Quintett auf, mit Joonas ‚Jope‘ Koto wurde jedoch der langjährige Zweitgitarrist zurückgeholt, der zumindest live am Start sein wird. Bei all den obgliatorischen personellen Umschichtungen übersieht man fast, dass kommendes Jahr der 30er für die Melodic-Death-Urgesteine ansteht. Ihr zehntes Studioalbum „May The Bridges We Burn Light The Way“ läutet die Feierlichkeiten ein und spielt mit der eigenen Vergangenheit.
Und zwar auf vornehmlich textlicher Ebene, denn wiewohl Omnium Gatherum hier ’nur‘ von einer Art lockerem Konzeptalbum sprechen, so behandeln viele Texte die Wurzeln in den 90ern – nicht unbedingt autobiografisch angelegt, aber mit Blick auf die eigenen Anfänge. Was das genau bedeuten soll, bleibt offen, doch stimmt die Musik absolut. Das epische „The Darkest City“ kratzt sogar an der Sieben-Minuten-Marke und nützt diese Zeit vollends aus. Gerade der mehrstimmige Klargesang im Refrain kommt gut und unterstreicht vertraute progressive Neigungen, doch auch die etatmäßiger Wut, die dezenten Death-Doom-Anleihen und das hymnische Bollwerk inmitten erbarmungsloser Härte machen Laune.
Solche Höhen erreicht das Quintett zwar in weiterer Folge selten, pendelt sich dafür auf hohem Niveau ein. Wie in „Streets Of Rage“, das sich der Göteborger Essenz bedient und dabei stets wie Omnium Gatherum in Reinkultur klingt – druckvoll und doch etwas verschachtelt, zwischen brachialer Härte und feinsinniger Melancholie pendelnd. „My Pain“ geht ab der ersten Sekunde in die Vollen, mit anspruchsvoller Gitarrenarbeit und hymnischer Melodik, technisch versiert und zugleich eingängig wie Sau. Das Leitmotiv wird später in „Barricades“ erneut aufgegriffen und auf links gedreht. Der Track häutet sich weiter und weiter, zieht feinsinnige Schleifen und erreicht einmal mehr progressive Höhen.
Das liest sich vielleicht weder neu noch aufregend, muss es aber auch nicht sein. Omnium Gatherum ziehen schlicht und ergreifend ihren Stiefel durch, wieder etwas härter und mit geringeren AOR-Anteilen, unmittelbarer, melancholischer und progressiver. „May The Bridges We Burn Light The Way“ trägt alle vertrauten Trademarks in sich, zeigt sich hinsichtlich Songwriting angenehm ausgeglichen und vielschichtig, zerstörerisch und hymnisch zu gleichen Teilen. Dafür gewinnen die Finnen vielleicht keinen Innovationspreis, müssen sie aber auch nicht – gewohnt starke, wieder etwas anders gelagerte und doch herrlich erwartungsgemäße Kost der aufwühlenden Sorte.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 07.11.2025
Erhältlich über: Century Media (Sony Music)
Website: omniumgatherum.org
Facebook: www.facebook.com/omniumgatherumband


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