Gavran – The One Who Propels

| 6. März 2026 | 0 Comments
Gavran

(c) Jimmy Roos

Zwischenzeitlich ausgebremst, in unsichere Zeiten gestürzt, nun mit neuem Elan zurück: Die drei Jahre seit dem Release von „Indistinct Beacon“ waren für Gavran alles andere als einfach. Eine schwere Erkrankung von Gitarrist Freek van Rooyen ließ die Niederländer etwas genauer auf Leben, Tod und Vergänglichkeit blicken. Begleitet wurde diese Zeit von personellen Umstellungen. Stimme Jamie Kobić wechselte von den Drums an die zweite Gitarre, mit Tinus Kardolus (Bass) und Roy Zwinkels (Drums) stieß eine komplett neue Rhythmusabteilung dazu. Der dadurch erweiterte und leicht veränderte Sound lässt „The One Who Propels“ endgültig über sich hinauswachsen.

An den Grundpfeilern änderte sich wenig: Doom, Sludge und Post Metal geben weiterhin das Tempo vor, in fünf überlangen Kapiteln. Wie sich „Okreni“ über zarte, fragile Melodik mit Post-Rock-Touch sehr, sehr langsam in einen monolithischen Giganten hangelt, lässt aufhorchen. Feinsinnige Melodik und ein paar lichtere Momente lockern das Geschehen auf, die klaren Vocals ertönen kraftvoll und mitreißend. Erst spät verfinstert sich der sprichwörtliche Himmel, übernehmen wütende, dröhnende Sludge- und Doom-Wände die Führung. Schmerzerfüllte Screams und heiseres Kreischen verstören komplett. Wiewohl es in weiterer Folge wieder ein paar anmutigere Momente gibt, ist die hoffnungsvolle Anfangsstimmung schnell gänzlich verflogen.

Am anderen Ende des Albums lauert mit „Plutaju“ der Gigant unter den Giganten – 16,5 Minuten lang und doch alles andere als langwierig oder gar langweilig. Hier können Gavran endgültig zeigen, welch grandiose Musiker sie inzwischen sind. Abermals tauchen gequälte Schreie auf, dieses Mal in vermeintlicher Idylle. Nur behäbig findet sich das Arrangement und erinnert im ersten melodischen Akt sogar an Long Distance Calling mit Gesang. Kobić verbindet seine wunderschöne Singstimme mit purem Weltschmerz, stellt beide Gesangsformen nebeneinander und springt von einem Extrem ins nächste. Der melancholische, reduzierte Mittelteil ist aber der eigentliche Star und führt direkt in den monumentalen Schlussakt. Hier ziehen die Wolken endlich ab, pure Rührung macht sich breit – alles scheint in Ordnung.

Einfach ist hieran nichts, keine Frage, dafür aber einfach genial. Gavran haben keinesfalls vor, ihre brütende Härte, pure Verzweiflung und wütenden Sludge-Wände komplett ad acta zu legen – siehe und höre speziell der Album-Mittelteil. Und doch symbolisiert „The One Who Propels“ Überleben, Hartnäckigkeit, Hoffnung, ja sogar eine bessere Zukunft. Mehr Melodie, hymnische Momente, bewegender Gesang und erhabene Momente ergänzen die raue, unnachgiebige Präsentation gekonnt, zerstören wiederholt und setzen wieder zusammen. Gavran liefern ein kleines Meisterstück ab, in jeder Hinsicht größer, intensiver und positiv wahnsinniger. Genau so und nicht anders klingt mächtiger Post Metal.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 30.01.2026
Erhältlich über: dunk!records

Facebook: www.facebook.com/gavranband

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Category: Magazin, Reviews

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