The Gloom In The Corner – Royal Discordance

(c) Sam Kriesel
Metalcore steht auch bei Theatre Kids hoch im Kurs. So oder so ähnlich lässt sich der Sound der Australier The Gloom In The Corner erklären, die wütende bis hymnische Core-Ausläufer mit progressivem Wahnsinn, dem sympathischen Showboating von My Chemical Romance, ja sogar einer Prise Musical-Charme verbinden. Mit ihrem zweiten Album „Royal Discordance“ wollen sie alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen und widmen sich dem elementaren Kampf von Gut gegen Böse, Licht gegen Schatten.
„You Didn’t Like Me Then (You Wouldn’t Like Me Now)“ bringt diesen sympathischen Wahnsinn prima auf den Punkt und stolpert über Uptempo-Wut und Samples in den Track. Die Vocals überschlagen sich selbst mit wachsender Begeisterung, dramatischer Gesang und wütende Screams wechseln sich ab. Eine Ohrwurm-Melodie mitten im Chaos lässt den Refrain anwachsen – und die erste Minute ist noch nicht einmal vorbei. Ein Hauch Piano-Ballade hier, ein derber Breakdown da, dazu eine kräftige Portion Panic! At The Disco – die Ohren klingeln auch beim großen, klassisch angehauchten Gitarrensolo noch.
The Gloom In The Corner gehen ihr zweites Album überaus ambitioniert an, und das zeigt sich unter anderem richtig gut in „Shadow Rhapsody II“. Die Queen-Anteile fallen ebenso minimal aus wie die Prise Metalcore, die bestenfalls unterschwellig mitschwingt. Fast proggig, fragil und suchend tanken sich die Australier durch den nervösen, erhabenen Giganten. Wer es hingegen laut und ruppig mag, wird in „Short Range Teleportation (A Guide To Guerrilla Warfare)“ fündig – wiederholte Explosionen, die fast in Richtung Deathcore steuern, lassen das Gebälk erzittern. Der „Love“-Zweiteiler am Albumende illustriert hingegen das Songwriting-Talent des Quartetts – ruhig und proggig in „A Quaver Through The Pale“, vertrackt und an TesseracT erinnernd im nervösen, sich wiederholt selbst auffressenden „A Walk Amongst The Poppy Fields“.
Von manchen Platten erholt man sich lange nicht. „Royal Discordance“ fällt definitiv in diese Kategorie, alleine schon ob der kompletten, konsequenten Dauerüberforderung. Wohin die Reise geht, bleibt meist unklar, doch ist der Weg dorthin grandios. Sympathische Theater- und Musical-Einlagen kollidieren mit einem vielschichtigen, modernen, gerne eskalierenden Metalcore-Ansatz. Doch gerade im (neo-)proggigen Sektor wachsen The Gloom In The Corner so richtig über sich hinaus. Ja, es braucht den einen oder anderen Durchlauf, bis sich dieses Album findet. Jeder einzelne lohnt sich, wieder und wieder.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 27.02.2026
Erhältlich über: SharpTone Records (Warner Music)
Facebook: www.facebook.com/tgitcband


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