Soen – Reliance

| 15. Januar 2026 | 0 Comments
Soen

(c) Linda Florin

Wenige Bands im modernen Prog-Feld sind so beständig mächtig und aufwühlend wie Soen. Das international besetzte Quintett um Martin Lopez und Joel Ekelöf veröffentlicht seit mittlerweile bald eineinhalb Jahrzehnten ein ausdrucksstarkes Album nach dem nächsten, von imposanten Kontrasten und für Genre-Verhältnisse angenehm songdienlicher Arrangierung begleitet. Aktuell begrüßt das Quintett Stefan Stenberg zurück in seiner Mitte, der nach dem (befristeten?) Ausstieg von Oleksii ‚Zlatoyar‘ Kobel wieder den Tieftöner übernimmt. „Reliance“ unterstreicht einmal mehr die exzellente Form der Progger.

Das mittlerweile siebte Studioalbum setzt auf vertraute Qualitäten und verfeinertes Songwriting – siehe und höre der Opener „Primal“. Ruhige Strophen, wuchtiger Aufbau, hymnischer Chorus, dazu konzentrierter Kontrast zwischen Licht und Dunkel – natürlich ist diese Formel mehr als vertraut, wurde mittlerweile jedoch perfektioniert und trifft ebenso ins Herz wie gelegentliche balladeske Ausritte. Ein solcher ist „Indifferent“, kommt überwiegend mit Gesang, Klavier und Strings aus und wirkt stets anmutig. Das gelingt auch „Vellichor“, insgesamt eine Spur härter und wuchtiger, vermehrt im Power-Balladen-Bereich unterwegs, dabei voller Kraft und Drive.

Eben das beweisen auch Songs wie „Unbound“, die Soen von ihrer kantigen, frontalen Seite zeigen. Schwerfälliges Midtempo und drastische Gesten finden erstaunlich gut zusammen, der Refrain brennt sich ebenso ein wie jener von „Mercenary“, dessen scharfe Kanten nur bedingt geglättet wurden. Zwar findet Ekelöf abermals eine himmlisch-hymnische Gesangsmelodie, die in Richtung vertraute Eingängigkeit steuert, doch macht die beklemmende Düsternis ringsum Spaß. Eben diese gibt es in „Drifter“ ebenfalls zu hören. Sympathische Laut-Leise-Dynamik und massive Heavyness finden gekonnt zusammen.

„Reliance“ mag arm an Überraschungen sein, stellenweise annähernd vorhersehbar ausfallen, doch ist letztlich exakt das die absolute Stärke dieses siebten Albums. Soen wissen genau, wie sie mittlerweile zu klingen haben, gehen noch einen Hauch eingängiger und hymnischer an die Sache, ohne die vertrauten Ecken und Kanten komplett zu glätten. Finstere Einschübe, lichte Momente, kurzweilige Balladen und drückende Härte runden gekonnt ab. So klingen eben absolute Meister ihres Fachs.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 16.01.2026
Erhältlich über: Silver Lining Music (Warner Music)

Website: www.soenmusic.com
Facebook: www.facebook.com/SoenMusic

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Category: Magazin, Reviews

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