Triptonus – Terra

| 8. September 2025 | 0 Comments
Triptonus

(c) Triptonus / StoneFree Records

Es ist vielleicht inzwischen müßig zu sagen, doch klingen Triptonus im besten Sinne wie keine andere Band. Das Wiener Sextett lebt natürlich vor allem für seine hypnotisierenden Live-Auftritte, verspielt und ausladend, entwickelt sich aber zugleich auf Platte immer weiter – dank vielfältiger Percussion, Elektronik, doppeltem Gitarreneinsatz und einem Sound, der Psychedelic Rock, Prog, Stoner, Post Rock und sogar Metal zu schätzen weiß. „Terra“ treibt diese Evolution weiter an.

Wie „Sultana“, mit gut sieben Minuten der kürzeste Song des Albums (von einem kurzen Zwischenspiel abgesehen), das Geschehen motorisiert, macht unheimlich Laune. Vocals gibt es weiterhin keine, werden aber auch nicht vermisst, denn die Musik kann so viel erzählen – mit treibenden perkussiven Drums, wütenden Gitarren und brachialer, metallischer Schwere. Das landet natürlich mit Anlauf zwischen den Stühlen, tut das jedoch auf großartige Weise. Im ausgedehnten, etwas ruhigeren Mittelteil branden schließlich faszinierende psychedelische Welten auf. Der Song häutet sich, nimmt erneut Fahrt auf und wird nahezu fies im Abgang – ein großartiger Kunstgriff.

Stark ist selbstverständlich auch die restliche Platte, wobei der Titelsong „Terra“ mit seinen 13 Minuten mehr denn je die Grenzen des Machbaren auf die Probe stellt. Sanfte Percussion und etwas Elektronik bauen schwer greifbare psychedelische Welten auf, die suchende Gitarre fährt mit quengelnden Tönen durch Mark und Bein. Nach der Sechs-Minuten-Marke überraschen proggige Motive, der imaginäre Himmel verfinstert sich und bereitet auf rohe, monumentale Katharsis vor. Einige der härtesten Passagen des gesamten Albums bäumen sich gar überdimensional auf, verbreiten Angst und Schrecken, spielen mit Post Metal und Noise. Und irgendwann kehrt Stille ein.

Dass dieses neue Album ein Siegeszug geworden ist, überrascht ebenso wenig wie seine musikalische Evolution, die das Geschehen noch größer, unvorhersehbarer und spontaner erscheinen lässt. Triptonus lieben diese kleinen, mehr als feinen Trips, die unerwarteten Wendungen, eine gewisse Spiritualität und das konstante Experimentieren mit Dynamik. „Terra“ steht schon mal mit beiden Beinen fest auf der Erde und strebt doch stets nach mehr, versucht irdische Fesseln abzulegen und hofft auf Eingebung. Was letztlich gegeben wird, ist eine von vorne bis hinten aufregende Platte, ein Kopfhörererlebnis, eine kolossale Tour de Force.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 12.09.2025
Erhältlich über: StoneFree Records

Website: triptonus.net
Facebook: www.facebook.com/Triptonus

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Category: Local Bands, Magazin, Reviews

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