Grin – Acid Gods

(c) Ruby Gold
Seit ihrem ersten Longplayer vor nunmehr sieben Jahren graben die unter anderem auch bei Earth Ship tätigen Jan und Sabine Oberg als Grin den Stoner-Sludge-Underground um, mit bewusst reduzierten Mitteln. Gitarren finden hier keinen Platz, dafür erdrückende Heavyness und bewusst raue, ungeschliffene Klänge, die wie eine überdimensionale Tieftöner-Wand die Luft zum Atmen rauben. Ihr inzwischen fünftes Studioalbum „Acid Gods“ knüpft an den nunmehr vertrauten Irrsinn an und serviert Wucht, die regelrecht erdrückt.
„Black Dye“ dröhnt geradezu aus den Boxen, zieht schnell das etatmäßige Midtempo auf und lässt stark verzerrtes Bassgrollen auf monolithische Drums treffen. Jan Obergs Vocals sorgen für Gänsehaut, wütend und doch hymnisch zu gleichen Teilen, während dezente Industrial-Untertöne einen schwer zu umreißenden Cyber-Charme entfachen. Eingängige Wut bemüht zermürbenden Gigantismus, den auch „Sliver“ nur zu gut versteht. Geradezu frontal entfalten sich wütende Klangwände, eine unnachgiebiger als die nächste, während die instrumentalen Einschübe fast etwas Spirituelles in sich tragen, sogar entfernt an entschleunigte Killing Joke erinnern.
Was sich „Beneath The Altar“ befindet, bleibt offen, doch können die giftigen Drum-Rolls sofort in ihren Bann ziehen. Das hier klingt forsch, geradezu angepunkt und dreckig, bevor das Geschehen an Fahrt verliert. Doomig-psychedelische Entschleunigung stürzt den Track in eine weitestgehend schemenhafte zweite Hälfte, von einem kurzen Zwischensprint abgesehen, und geht prima an die Substanz. Hingegen verpackt „Heavy Dew“ massivstes Bassgewitter in unter zweieinhalb Minuten, launcht eine Frontalattacke auf sämtliche Sinne und illustriert wunderbare Überforderung. Das stoische Stampfen von „Nocturno“ bohrt sich direkt ins Kleinhirn vor und lebt seinen Mut zur bekömmlichen Hässlichkeit vollends aus.
Wucht und Urgewalt sind die unbestrittenen Stärken dieser Platte, die kompromisslos ihr Ding durchzieht und regelrecht erschlägt. „Acid Gods“ hält herzlich wenig von übermäßiger Abwechslung und erschlägt stattdessen aus einem Guss, was man garantiert so machen kann. In knapp 38 Minuten durchlebt Stoner-Sludge diverse kleine und große Veränderungen, bevorzugt Heavy und giftig, voller Dissonanzen, aber auch mit seltenen Uptempo-Ausritten, mit psychedelischer Note und mit einem Herz für die monolithisch-technologisierte Intensität von Industrial-Klängen. Irgendwo dazwischen toben sich Grin auf ihren bewusst klein gehaltenen Instrumentenpool aus, mit mächtigen Tracks und bekömmlichem Lärm. Das macht wieder und wieder ordentlich Laune.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 30.05.2025
Erhältlich über: The Lasting Dose Records


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