Dwellers – Corrupt Translation Machine

(c) Priscilla C. Scott
Plötzlich waren sie wie vom Erdboden verschluckt, nun sind sie ebenso plötzlich zurück: Dwellers veröffentlichten zwei bekömmliche Alben, waren dann etwa ein Jahrzehnt untergetaucht, nur um sich im Vorjahr mit einem ersten Song in neuer Besetzung zurückzumelden. Diese Zeit nutzte das US-Quartett offenkundig, um sich musikalisch weiterzuentwickeln. Die psychedelische Seite wird stärker betont, das Geschehen fällt spaciger und proggiger aus, ohne den leicht bluesigen Biss zu verlieren. „Corrupt Translation Machine“ darf gut und gerne als Comeback nach Maß bezeichnet werden.
Die „Old Ways“ lassen Dwellers hinter sich und unterhalten mit süffiger Schwere. Von Beginn an schimmert eine willkommene bluesig-grungige Note durch, im besten Sinne schwerfällig und doch locker-leicht gehalten, der bezaubernde Motor für einen ähnlich bezaubernden Track, der sich weit zurücklehnt und über weite Strecken die Gitarre singen lässt. Später findet sich das Quartett in „The Maze“ wieder, von feisten Drumsalven begeistert. Der Himmel verfinstert sich, doomige Hooks treiben die psychedelische Entfremdung voran, während der Song durch das ewige Dunkel tappt und nach einem Ausweg sucht.
Ein solcher ist „Headlines“ vielleicht nicht, mit seiner bittersüßen Nachdenklichkeit dafür mehr als unterhaltsam. Da werden schon mal Erinnerungen an EchoBrain und King Buffalo wach, zwei sehr unterschiedliche und hier dennoch perfekt zu erkennende Referenzen. Am anderen Ende des Album schwingt sich das Epos „Marigold (Heart Of Stone)“ zu einer elfminütigen Reise durch Raum, Zeit und andere Aggregatszustände auf. Ellenlange, spacig-proggige Klanggebilde erweitern den Track zusehend, nehmen fesselnde Spuren hinzu und legen sogar einen echten Sprint hin. Diese Uptempo-Schlacht samt heulenden Gitarren fesselt tatsächlich, bevor meditativer Gesang und bleierne Schwere zu Grabe tragen.
Tatsächlich ist das hier eine faustdicke Überraschung geworden. Um gleich zu beruhigen: Dwellers bleiben als Dwellers erkennbar, schmeißen nicht alles um. Und doch wirkt ihre Musik zugleich größer und leichter, schwebt in gänzlich anderen Sphären und lässt sich treiben. Das Faible für Blues und Psych hält das Geschehen zusammen, geht am ehesten als so etwas wie ein roter Faden durch, stiftet halbwegs Sinn und Ordnung. „Corrupt Translation Machine“ ringt mit Vergänglichkeit und bemüht sich um Ordnung im kaputten Gefühlshaushalt. Diese magischen, gefühlvollen, gerne mal schwerfälligen und doch so luftigen Tracks wollen unbedingt gehört werden. Dwellers 2.0 erfüllen Hoffnungen und Erwartungen mit wachsender Begeisterung.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 23.05.2025
Erhältlich über: Small Stone Recordings
Facebook: www.facebook.com/dwellersband


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