Fuck The Facts – Pleine Noirceur

| 16. November 2020 | 0 Comments
Fuck The Facts

(c) Anndy Negative

Ihre produktivste Phase mag mittlerweile fast ein Jahrzehnt zurückliegen, doch wenn Fuck The Facts mit neuem Material aufschlagen, wird es immer spektakulär. Die kanadischen Grindcore-DIY-Veteranen, die einst über Relapse unzählige Platten und Kleinformate ausspuckten, sind längst wieder komplett independent unterwegs und brechen nichts übers Knie. So liegt „Desire Will Rot“ tatsächlich schon wieder stolze fünf Jahre zurück. Umso willkommener ist die brachiale Intensität des Nachfolgers „Pleine Noirceur“.

Als hätte es diese ausgedehnte Pause nie gegeben, stürzen sich die Kanadier kopfüber in den Wahnsinn. Zu Beginn wartet – beinahe etatmäßig – ein Track, der die Hörgewohnheiten auf die Probe stellt. „Doubt, Fear, Neglect“ nähert sich der Sieben-Minuten-Marke an und hangelt sich über schiere Wucht in diese Platte. Wie Topon Das und Konsorten die Schlagzahl stetig erhöhen, dabei gefühlt immer chaotischer werden und doch mittendrin für zermürbenden, druckvollen Groove sowie höllische Melodien sorgen, begeistert. In geschmackvoller Überlänge setzt es mal eben einen der besten Songs in der Karriere des kanadischen Trios.

Sie können es also noch, aber was lauert hinter der ersten Explosion? Natürlich geht es nicht linear voran, natürlich spielen Fuck The Facts mit der Erwartungshaltung. „L’abandon“ täuscht die komplette Eskalation an, fängt sich und baut dicke Post-Sludge-Wände nebst Deathgrind-Wahnsinn auf, während „Sans Lumière“ präzise Geschoße in hohem Tempo abfeuert. Auf dem Höhepunkt nimmt sich die Band zurück und stellt beinahe Mathcore-artige Rhythmen hinten an – es wird groß, gemächlich, fast schon doomig. Der Rausschmeißer „_cide“ zieht die Angelenheit genau umkehrt auf und explodiert urplötzlich. Hinter der Eruption lauert die eierlegende Wollmilchsau, die mit hektischen Gesten alles niederbricht, bevor so etwas wie melancholisch-melodische Eintracht Einzug hält.

Kurzum: „Pleine Noirceur“ ist ein großes Album, das auf den ersten Blick ein wenig aus dem Rahmen fällt und letztlich gerade darin Methode hat, entsprechende Erwartungen erfüllt. Geradlinig ging es bei Fuck The Facts eigentlich noch nie zu, so komplex hat man die Kanadier allerdings seltener gehört. Etwas mehr Melodie als zuletzt, zusätzlicher Groove und Doom – all das betont die ruppigen, schroffen Grind-Husarenritte so richtig, lässt diese noch wütender und kaputter ausfallen. Im Endeffekt bleibt alles beim Alten und mutet doch etwas anders an. Falls es so etwas wie guten Grind-Wein gibt, Fuck The Facts sind genau das.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 20.11.2020
Erhältlich über: Noise Salvation

Website: www.fuckthefacts.com
Facebook: www.facebook.com/FuckTheFacts

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Category: Magazin, Reviews

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