Poltergeist – Feather Of Truth

| 29. Juni 2020 | 0 Comments
Poltergeist

(c) Inga Pulver

Ende der 80er / Anfang der 90er veröffentlichten Poltergeist ein paar unterhaltvolle Thrash- und Speed-Alben, nur um – welch Ironie – viel zu schnell von der Bildfläche zu verschwinden. Ende 2013 folgte das Comeback, die Reunion-Platte „Back To Haunt“ wusste zu unterhalten. Nach dem Wechsel zu Massacre Records setzt es nun Nachschlag. Sämtliche Mitglieder waren am kreativen Prozess beteiligt. Gitarrist Chasper Wanner komponierte erstmals gleich vier Tracks und mit Reto Crola konnte ein neuer Schlagzeuger erfolgreich ins Line-up eingebaut werden. All das treibt das kurzweilige „Feather Of Truth“ gekonnt an.

Mit „Saturday Night’s Alright For Rockin'“ hat das Quintett sogar eine Art Mini-Hit am Start. Das Speed- / Thrash-Korsett sitzt etwas lockerer und lässt ein wenig Rock zu. Nicht nur der Basslauf erinnert ab und an an Motörhead, rundherum wird es gewohnt heavy und flott. Der Fünfminuter klingt nach typischem Publikumsanheizer und sollte auf der nächsten Tour hervorragend anlaufen. Auf der anderen Seite des Spektrums lauert „Megalomaniac“, ein knüppelharter und geschickt auskomponierter Track, der immer wieder von Neuem explodiert und gewisse Harmonien zulässt. Da kommen unter anderem schon mal Destruction durch.

Diese Referenzen dienen als ungefähre Orientierungshilfe für Newcomer, denn freilich haben Poltergeist ihren Sound längst gefunden und verfeinern diesen konsequent weiter. „Feather Of Truth“, der mit Ägyptologie flirtende Titelsong, hat beispielsweise das Zeug zur waschechten Hymne, bemüht klassische Metal-Klänge und überschlagt sich dennoch selbst. Hier ist auch „The Godz Of Seven Rays“ angesiedelt – konzeptuell wie musikalisch. Wer hingegen den urtypischen Thrash-Hammer schätzt, lässt „Thin Blue Line“ kreisen. Exodus kollidieren mit ein wenig NWOBHM, was tatsächlich hervorragend zusammenpasst.

Insgesamt ziehen Poltergeist ihren Stiefel konsequent durch. Man weiß, was man bekommt, doch selten klang es von vorne bis hinten so unterhaltsam. Der verfeinerte Songwriting-Ansatz, die neue kreative Pluralität und ein etwas anderer Stil hinter der Schießbude bekommen „Feather Of Truth“ gut – dynamischer, hymnischer, härter und abwechslungsreicher. Und das noch dazu ohne Durchhänger bei einer Spielzeit von knapp 58 Minuten mit Bonus-Material. Spätestens jetzt sind Poltergeist wieder komplett angekommen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 03.07.2020
Erhältlich über: Massacre Records (Soulfood Music)

Website: poltergeistmetal.com
Facebook: www.facebook.com/poltergeist.official

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Category: Magazin, Reviews

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