Antichrist – Sinful Birth

| 13. Juni 2017 | 0 Comments
Antichrist

(c) I Hate Records

Nach mehrjähriger Pause entsteigen Antichrist erneut den Untiefen des Undergrounds mit einer kleinen Schlachtplatte, die ein wenig an die Anfänge von Slayer, Morbid Angel und Possessed erinnert. Soll heißen: ruppiger, ungestümer Thrash Metal mit Death-Ursuppe vermengt. Die Schweden debütierten vor sechs Jahren und hielten sich im Anschluss, abgesehen von einem Kleinformat, nobel zurück. „Sinful Birth“ explodiert dafür gleich mehrfach.

An Sound und Präsentation gibt es herzlich wenig auszusetzen. Natürlich wirkt die Präsentation – und Produktion – ein wenig altbacken, doch das passt letztlich prima zum musikalischen Erbe des Quintetts. Nach einem kurzen Intro gehen Antichrist sogleich in die Vollen. „Savage Mutilations“ holt kurz aus und rumpelt schließlich mit Vollgas aus den Boxen. Das Tempo ist verdammt hoch, gelegentlich scheinen sich die Drums sogar zu überschlagen. A. Sunesson spuckt seine Vocals in weite Rund, wechselt dafür gelegentlich sogar in bedrohlich hohe Register. Gut fünf martialische Minuten mit hohem Suchtfaktor nehmen keine Gefangenen.

Eigentlich gibt es nur eine wirkliche Hürde auf dieser Platte: „Chernobyl 1986“. Das zehnminütige Instrumentalstück, mit einigen Newsreels zur Atomkatastrophe vor 21 Jahren versehen, bemüht sich um epische Strukturen und clevere Abwechslung. Vielleicht mag es zwei bis drei Minuten zu lang geworden sein, bringt aber immerhin ein wenig Abwechslung ins weite Rund. Der folgende Rausschmeißer „Fall Of The Temple Of Solomon“ wirkt dadurch noch eine Spur aggressiver, roher und kaputter – gemeinsam mit dem zwischenzeitlich überraschend melodischen „The Black Pharaoh“ eines der Highlights dieses Zweitlings.

Die alte Schule lebt bei Antichrist weiter. Retro-Thrash schlägt nach wie vor große Wellen, doch so weit gehen selbst heute kaum andere Bands zurück. Die Schweden baden in dieser Ursuppe und spucken einige Granaten aus. Klar, das lange Instrumental ist gewöhnungsbedürftig, dennoch bietet „Sinful Birth“ reihenweise Wellenbrecher und beeindruckende, zeitlose Energie. Hätte vor 30 Jahren ebenfalls prima funktioniert, wirkt auch heute herrlich heavy und kompromisslos.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 16.06.2017
Erhältlich über: I Hate Records (Soulfood Music)

Facebook: www.facebook.com/antichristsweden

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Category: Magazin, Reviews

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