Interview mit Keith Mina Caputo-Drummer Jochem Van Rooijen

| 1. Januar 2012 | 0 Comments

Jochem Van Rooijen

Welche Persönlichkeit zeichnet einen Schlagzeuger aus? Demonic-Nights traf einen sehr sympathischen und motivierten Jochem Van Rooijen im Café DeBalie in Amsterdam und sprach mit ihm darüber, wie man den Spagat schafft, in mehreren Bands gleichzeitig zu spielen, und wie er Keith Mina Caputo (u.a. Frontmann von Life Of Agony) davon überzeugte, dass er der Richtige für sein Soloprojekt ist.

Ich arbeite mit Keith Caputo seit 2000. Er lebte in New York City und verließ seine alte Band Life Of Agony. Er nahm damals sein erstes Album „Dead Laughing“ auf, welches nie in Amerika erschien. Sein Plattenlabel veröffentlichte das Album in Europa, deswegen zog Keith nach Amsterdam. Ich telefonierte mit Keith und zwei Monate später rief er mich aus heiterem Himmel mitten in der Nacht an. Er sagte: „Ich brauche morgen einen Schlagzeuger für eine Show. Glaubst du, dass du das schaffst?“ Ich antwortete ein wenig übermütig: „Ja, klar kann ich das!“ Er sagte, ich soll am nächsten Morgen um zehn Uhr da sein, und sechs Stunden später fuhren wir nach Deutschland, wo wir ein riesiges Konzert im Rockpalast vor 10.000 Menschen spielten. Ich war unvorstellbar nervös.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Keith Caputo? In den Medien wird er meist als eine relativ schwierige Persönlichkeit dargestellt.

Wir arbeiten sehr mühelos zusammen. Ich kann mich an keinen Streit in mehr als zehn Jahren erinnern; wir hatten nie eine Auseinandersetzung, eine Prügelei oder ähnliches.

In einem Interview sagte Keith, dass es teilweise sehr schwierig und schmerzhaft ist, jeden Abend die Erinnerungen aufs Neue zu erleben, die er in seinen Texten verarbeitet. Wie ist es jedoch für dich, wenn du jeden Abend aufs Neue immer und immer wieder die gleichen Texte hörst?

Keith schreibt seine eigenen Texte, er singt über seine eigenen Erfahrungen und es ist also offensichtlich schwieriger für ihn, diese jede Nacht wieder und wieder zu erleben. Obwohl es keine persönlichen Erfahrungen sind, fühle ich mich sehr stark damit verbunden. Er ist ein wirklich guter Freund von mir ist und alles, was ihn in seinem Leben beschäftigt, berührt mich indirekt ebenso.

Hast du eigentlich ein Lieblingslied, sei es aufgrund des Textes oder die Art, wie es zu spielen ist?

Ich mag alle Lieder, aber natürlich gibt es einige Lieder, die ich lieber mag als andere. Aus „Nothing To Lose“ versuchen wir immer eine 12- oder 15-minütige Version zu machen, dabei können wir uns musikalisch richtig austoben. Es ist dann ein großes Gitarrensolo dabei, ebenso wie Drum- und Bass-Improvisationen. Das macht es immer wieder spannend und aufregend, weil es sich jede Nacht unterscheidet, denn du weißt nie, was passieren wird. Es gibt auch andere Lieder, die ich sehr gerne spiele, weil sie einen besonderen Groove mit sich bringen. Ich finde die meisten Lieder von Keith haben sehr ausdrucksstarke Texte, das gefällt mir. Obwohl die meisten seiner Lieder sehr düster sind, manche düsterer als andere, mag ich sie alle. Ich mag düstere Musik.

Du warst bereits in unzähligen Ländern auf Tour. Gibt es ein Land, das dir besonders gefällt?

Ich hatte wirklich coole Shows in eigentlich jedem Land, in dem wir bisher spielten. Dann gibt es auch Länder, in die ich sehr gerne reise, nicht nur wegen der Shows, sondern wegen deren Kultur oder weil ich dort Leute kenne. Deutschland ist für uns immer ein sehr gutes Land, ebenso die Niederlande. Wir hatten auch richtig coole Shows in New York City, Los Angeles und in London. Du weißt jedoch nie wirklich, wie es wird – es gibt Situationen, wo du dich den ganzen Tag über gut fühlst, und denkst, heute Abend wird es perfekt, und dann ist es aber nicht so toll (lacht). Das passiert.

Und wie sieht es mit der Abwechslung aus? Gestaltet ihr eure Setlist jeden Abend neu?

Das ist eigentlich immer der Plan, wenn wir zu touren beginnen. Schlussendlich ist es dann aber so, dass wir nur für die ersten drei oder vier Shows die Setlist abändern. Sobald wir eine aufbauende Spannung feststellen, bleiben wir dabei. Wir spielen normalerweise mindestens zwei Stunden, manchmal dürfen wir aber nicht so lange spielen. Wenn wir also nur eineinhalb Stunden zur Verfügung haben, müssen wir einige Lieder raus nehmen. Das ist immer sehr schwierig, denn wir machen das nicht gerne.

In deiner Vita verzeichnest du unzählige Bands, in denen du bisher gespielt hast, manches Mal sogar "gleichzeitig". Gestaltet sich dieses Unterfangen nicht als besonders schwierig?

In den letzten zehn Jahren spielte ich neben der Band von Keith Caputo auch in vielen anderen Bands. Es ist wirklich schwierig, ich muss deswegen auch alles sehr genau planen. Wenn Keith eine Tour plant, kann ich selbstverständlich nicht zeitgleich in einer anderen Band spielen. Dann muss ich jemand anderen finden, der mich vertritt. Es ist verdammt viel Arbeit und manches Mal muss man richtig improvisieren. Es ist sehr wichtig, die anderen darüber zu informieren, dass du auch noch andere Verpflichtungen hast. GrAm ist zum Beispiel eine andere Band, in der ich nun seit zwei Jahren spiele. Die Bandmitglieder wussten aber, dass ich bereits für Keith spiele, also wenn ich ihnen sage: „Hey, es tut mir leid, aber ich gehe mit Keith für sechs Wochen auf Tour.“, dann verstehen sie das. Andernfalls könnte ich nicht in mehreren Bands spielen, weil es ein ständiger Kampf wäre (lacht). Aber die meisten, mit denen ich zusammen arbeite, haben selbst auch noch andere Projekte am Laufen. Wenn du also das gegenseitige Verständnis und Respekt für die jeweilige Musik und Leben des anderen hast, sollte es keine Probleme geben.

Du hast am Konservatorium in Amsterdam Musik studiert. Inwiefern hat dein Studium dich oder deine musikalische Karriere beeinflusst?

Oh, in vielen verschiedenen Dingen. Gerade gestern redete ich mit jemandem darüber, außerdem habe ich viele Freunde, die ebenfalls dort studierten. Eigentlich traf ich den Direktor der Schule, als ich in Keiths Band spielte – er brachte mich überhaupt auf die Idee dort zu studieren. Ich war also ungefähr 25 Jahre alt, als ich mein Studium begann. Ich hatte bereits einige Tourneen hinter mir und wusste genau, was ich lernen wollte. Die große Idee der Schule hier in Amsterdam ist, dass sie das tägliche Leben der Musiker fokussieren. Sie versuchen aus dir einen Allrounder zu machen, damit du nicht nur vom Unterrichten abhängig bist, um Geld zu verdienen. Du kannst außerdem lernen, wie man produziert, Musik mixt; du bekommst einen sehr guten Einblick, wie du in der Musikwelt überleben kannst, was nicht einfach ist. Ich bin wirklich froh darüber, dass ich dort studiert habe; ich bin auch davon überzeugt, dass jeder Musiker, der die Möglichkeit dazu hat, dies auch tun sollte.

Wann wusstest du, dass du Musiker werden wolltest?

Ich wollte schon immer Musiker werden. Als ich drei Jahre alt war, hörte mein Bruder die Alben von Kiss. Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich die Fotos von der Innenseite des Covers sah und dachte, sie sehen so erstaunlich aus. Ich verliebte mich augenblicklich in ihre Musik. Dass ich Schlagzeuger werden wollte, wusste ich, als ich sechs oder sieben Jahre alt war. Es dauerte jedoch lange, bis ich meine Eltern davon überzeugen konnte, dass ich im Haus Schlagzeug spielen durfte. Also startete ich mit zwölf oder dreizehn Jahren, ich übte wie verrückt.

Welche Persönlichkeit muss man sein, um Schlagzeuger zu werden?

Ich kenne eine Menge Schlagzeuger, jedoch kann ich nicht sagen, ob sie eine spezielle Persönlichkeit haben. Im Gegensatz zu – beispielsweise – Gitarristen sind Schlagzeuger wirklich aufgeschlossen, wenn sie aufeinander treffen und Ideen austauschen. Man kommt auch sehr einfach mit ihnen aus. Ich vermute, es könnte daran liegen, dass sie den ganzen Tag lang auf ihr Schlagzeug einschlagen, und auf diesem Wege kann man nicht wirklich Frust ansammeln (lacht).

Wie schaffst du es, dass dir Rhythmen oder Melodien einfallen?

Natürlich werde ich auch dadurch beeinflusst, wenn ich andere Musiker höre. Ich probiere so oft als möglich, neue Musik zu entdecken, aber es gibt immer bestimmte Bands, bei denen ich haften bleibe. Das Lustige ist, dass, obwohl ich Schlagzeuger bin, einige meiner Lieblingsbands nicht einmal ein Schlagzeug haben. Manchmal reicht schon das Geräusch einer Maschine oder Ähnliches, damit mir ein neuer Rhythmus einfällt. Es ist immer verschieden.

Was wünscht du dir für die Zukunft für die Band mit Keith Caputo?

Ehrlich gesagt muss ich zugeben, dass das derzeitige Line-Up mit Ryan, Axel, Keith und mir ein wirklich tolles Line-Up ist. Wir kommen sehr gut miteinander aus. Genau genommen ist Ryan der Gitarrist, der am längsten in der Band spielt (lacht).

Herzlichen Dank für das Interview!

Bitte.

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