Crop – S.S.R.I

| 20. August 2025 | 0 Comments
Crop

(c) Crop

Crop besitzen eine zumindest kuriose Auffassung musikalischer und emotionaler Schwere. Das 2020 in Lexington, Kentucky gegründete Quartett bezieht seine Inspiration für Heavyness aus dem Grunge-Umfeld, kreuzt dieses jedoch mit Doom und Sludge für maximale Intensität und erdrückende Härte. Ihr selbstbetitelter Erstling im Folgejahr ließ aufhorchen, mit „S.S.R.I“ soll nun das sprichwörtliche nächste Level erreicht werden – mit Songs, die sich konzentriert mit Trauer, Akzeptanz, Selbst-Sabotage und Über- bzw. Weiterleben auseinandersetzen.

Die Einsamkeit innerhalb einer Beziehung ist schlimmer als die Einsamkeit im Single-Leben: Vor diesem Hintergrund beleuchtet „Alone“ den Moment der Trennung, getragen von wuchtigen, epochalen Drums und gequälten Gitarrenwänden. Verstörende Melodieansätze ringen um längst verstrichene Fassung, die heiseren und bewusst spitzen, ungeschliffenen Vocals fahren durch Mark und Bein. Marc Phillips‘ Stimmbänder sind ein Erlebnis für sich, maximal gewöhnungsbedürftig und Leinwand für große Kunst. In seinen sieben Minuten durchlebt der frontale Monolith des Alleineseins wiederholte Aufs und Abs, ringt um eine sinnvolle Zukunft und rutscht doch auf Knien durch einen Scherbenhaufen.

Irgendwann führt exzessive Schwere zum Bruch. „Break“ durchleuchtet die Schattenseiten existenzieller Fragen, getragen von einem süffig-doomigen Riff, das mit maximaler Distortion in alle Himmelsrichtungen gleichzeitig gezogen wird. Eine ellenlange Zäsur mittendrin inklusive verhalten melodischer Ansätze läutet die Implosion ein, der selbst ein kurzes, finales Aufbäumen nicht hilft. Crop tauchen ins Nichts ab. Hingegen kann sich „Goddamn“ aus einem ähnlich fragilen, erdrückenden Mittelteil befreien und beendet die künstlerische Pause mit donnernder Wut, von stetem Wechselspiel zwischen Hoffnung und Enttäuschung begleitet, während eine klaustrophobe Gitarre die Luft zum Atmen raubt.

Es mag eine verdammt zähe zweite Platte geworden sein, die noch dazu bewusst kurz gehalten wurde, unter 35 Minuten, doch reicht das Crop, um nach allen Regeln der Kunst abzuliefern. Stete Enttäuschung und Ernüchterung, selbst im Ringen mit dem sinnlosen Prinzip Hoffnung, versucht emotionale Konfliktherde auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen und erkennt dennoch, dass dieses Unterfangen eigentlich zum Scheitern verurteilt ist. Hinter dieser vermeintlichen Aussichtslosigkeit liegt großartige Methode. „S.S.R.I“ verbindet oberflächlich sympathischen, jedoch betont abstoßenden Sludge Doom mit Grunge-Emotionen und rennt damit offene Türen ein – ein auf dem Papier einfacher und doch so durchschlagender Kunstgriff einer Band, die man unbedingt auf dem Radar haben sollte.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 22.08.2025
Erhältlich über: Third House Communications

Bandcamp: legalizecrop.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/legalizecrop

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Category: Magazin, Reviews

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