TESA – Interval

(c) Filmikaader
Wenige können mit so übersichtlichen Mitteln so mächtige Musik erzeugen wie TESA. Die Band aus der lettischen Hauptstadt veröffentlicht seit mittlerweile zwei Jahrzehnten kunstvolle wie herausfordernde instrumentale Musik mit Fokus auf Post Metal, Doom und gelegentliche Avantgarde. Besonders attraktiv und hochspannend ist die Geschlossenheit ihres Werks, die sich in imposanter Gesamtheit zu einer mächtigen Klangszenerie zusammenfügt. Begleitet vom Musikfilm „TESA MAN“, der im April erstmals auch abseits Filmfestivals zu sehen sein wird, arbeitet sich „Interval“ einmal mehr in eindrucksvolle Untiefen vor.
Vier mächtige Tracks von siebeneinhalb bis elfeinhalb Minuten Spielzeit ergeben ein grandioses wie erdrückendes Gesamtbild, das im besten Sinne an die Substanz geht. Das kantige „Interval I“ zu Beginn legt ohne wirklichen Aufgalopp los, strahlt ab der ersten Sekunde eine gewisse Bedrohlichkeit aus und ist dabei tatsächlich noch relativ nett unterwegs. In weiterer Folge beginnen die Muskelspiele, nimmt die Distortion zu, drängt in doomige Sludge-Gefilde und noisiges Chaos. Die Letten operieren konstant am Limit und zermürben nach allen Regeln der Kunst. Selbst die in ihrer Länge zunehmenden Zäsuren in der zweiten Hälfte ändern daran wenig, der unbequeme Gesamteindruck bleibt bestehen.
Schwer verdaulich ist ebenso „Interval IIII“ am anderen Ende dieser Platte, zugleich ihr längster Song. Dank bewusst anderer Taktik – das Arrangement rollt dieses Mal langsam und leise an, fast unscheinbar – fällt das etatmäßige, unvermeidbare Überrollen um Welten härter aus. Folglich breiten TESA einen kolossalen Klangwall aus, dessen gelegentlich singende Gitarre wie Feuer unter den imaginären Fingernägeln brennt. Wenn schließlich fast so etwas wie filigrane Melodik im Mittelteil entsteht, die letztlich doch wieder in puren, ungefilterten Wahnsinn umschlägt, ist alles eitel. Das beklemmende ausgedehnte Finale zwischen Noise, Drone und Avantgarde raubt den letzten Nerv.
Eben jene Kompromisslosigkeit lässt „Interval“ so großartig und intensiv wirken. Die pure Wucht dieser vier Giganten überstrahlt alles, raubt jegliches Licht und reißt auf hässlichste Weise mit. TESA wissen nach all den Jahren ganz genau, was sie machen müssen, um ihren Sound so kantig, kauzig und massiv wie menschenmöglich zu gestalten, und reizen jede Sekunde maximal aus. Monumentale Hässlichkeit in sympathischer Präzision unterstreicht einmal mehr die große Klasse der Letten, die in ihrer Nische Garanten für grandiosen Wahnsinn bleiben.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 03.04.2026
Erhältlich über: My Proud Mountain
Facebook: www.facebook.com/bandtesa


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