Architects Of Aeon – Dead Dreamer

(c) Architects Of Aeon
Wenn sich wüste, undurchdringliche Finsternis über das Land legt, sind Architects Of Aeon in der Regel nicht weit. Das Duo aus Kassel bewegt sich bevorzugt in metallischen Extremen und überschreitet (Genre-)Grenzen mit wachsender Begeisterung, rund um verschiedene wütende Post- und Prog-Präfix-Kombinationen aufgereiht. Gut zwei Jahre nach der exzellenten EP „still | devastation“ landet nun mit „Dead Dreamer“ der nächste kurze, aber intensive Nachschlag und zwingt mit Anlauf in die Knie.
Der mächtige Auftakt „This Impending Doom We Carry“ setzt sogleich das absolute Highlight frei. Von falscher Bescheidenheit halten Architects Of Aeon hörbar wenig und starten sofort in media res mit einer Mischung aus Death, Doom, Black und Post Metal. Giftige Growls aus den Untiefen einer ertrinkenden Seele passen sich sogleich dem schwerfälligen Marsch an, bevor ein paar klare Einschübe überraschen. Dieses Auge des Sturms, dieser Flirt mit instrumentaler Epik – so lässt man sich gerne auf die falsche Fährte führen, denn aus dem Nichts startet das Duo erneut durch, von mächtigen Double-Bass-Salven begleitet und in weiterer Folge sogar noch brutaler und zerstörerischer unterwegs.
Wenn in „…Where Lights Can Thrive“ etwas mehr Vocal-Dynamik einkehrt, ohne jedoch die bis zum Zerreißen gespannte Atmosphäre zu stören, ist alles eitel. Architects Of Aeon reiten auf einem Pulverfass, gehen wieder und wieder durch die schwarzmetallische Decke und lassen doch Platz für etwas Licht. Davon gibt es in „Dead Dreamer“ definitiv mehr – stellenweise mit Post Rock und etwas Dark Folk flirtend, bevor sich die zweite Hälfte ordentlich mit Härte und Finsternis auflädt. Gemächliche Eskalation arbeitet auf einen kolossalen Siedepunkt zu, der Zusammenbruch kommt plötzlich. Dass sich der ellenlange Abschluss „Pyre Echo, Still Glowing“ auf kraftvolle, ausdrucksstarke Instrumentalkunst konzentriert, ist eine willkommene Überraschung.
Einmal mehr überzeugt das Massiv in seiner Gesamtheit und unterhält zugleich mit frischen Facetten. Gerade die instrumentalen Welten – die beiden reduzierten Interludes wollen hier ebenfalls lobend erwähnt werden – kommen richtig gut, zudem stimmt die gerne brachiale, regelrecht überrollende Intensität ein weiteres Mal. „Dead Dreamer“ entwickelt sich auf Raten weiter und serviert ein erdrückendes Gesamtpaket, einem gewissen Maß an Kapitulation nahe und doch stets mit dem nötigen Mut ausgestattet, weiterzumachen, den nächsten Schritt zu gehen. Ob der Traum bzw. der Träumer noch lebt, sei dahingestellt, doch Architects Of Aeon machen ihre Sache einmal mehr verdammt gut.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 19.03.2026
Erhältlich über: Eigenvertrieb
Facebook: www.facebook.com/architectsofaeon


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