Matador – Above, Below And So

(c) Matador / Church Road Records
Die einen packen den Stier bei den Hörnern, die anderen lassen ihn mit monumental-monolithischen Klanglandschaften kollidieren. Matador wählen vermutlich zweiteren Weg. Ursprünglich 2019 als Soloprojekt von Sänger und Gitarrist James Kirk gegründet, entstand der Einstand – abgesehen vom Drum-Tracking – im Alleingang, beim Nachfolger hatten die Kanadier bereits ihr heutiges Trio-Line-up gefunden. Auf „Above, Below And So“, ihrem ersten Album für Church Road Records, pushen sie ihren angenehm eigentümlichen und epischen Post-Metal-Sound konzentriert weiter.
Wie es geht, zeigt „Glitter Skin“, das vergleichsweise heavy einsteigt und grantig-epische Gitarren die Führung übernehmen lässt. Das klingt wuchtig, etwas schrill und doch weitläufig – passt eigentlich nicht zusammen, macht aber ebenso Laune wie die komplette Reduktion der mit Post Rock und Neo Prog flirtenden Strophen samt zartem Klargesang. Sukzessive bauen Matador in Richtung Crescendo auf, mit verzerrten Screams, donnernden Drumrolls und komplexen Prog-Einschüben. „Hooks“ beginnt hingegen wütend und stoisch, spielt mit metallischem Hardcore und lässt wiederholt zermürbende Sludge-Wände zu. Der Track entlädt sich in mehreren Druckwellen, vom epischen Mittelteil bis hin zum psychedelischen, knorrigen Finale.
Wohin die Reise geht, wird oft erst im Nachhinein klar, und das hat tatsächlich stilvolle Methode. Im Zehnminüter „A Virus“ ist es der ellenlange, nahezu bluesige Aufbau, der überrascht. Zärtliche Gitarrenklänge bereiten nur unzureichend auf plötzliche Sludge-Nackenschläge vor, die spürbare Bass-Präsenz krönt das Unterfangen mit sympathischer Eigentümlichkeit. Ein melodischer Abgang mit urplötzlichem Stimmungswechsel passt ebenso ins Bild wie die epische Schwere von „The House Always Wins“, die sogar klassische Riffs und derbe, extreme Screams kennt. Das klingt wie Post Black Metal, könnte aber kaum weiter davon entfernt sein – mit abermals singender Gitarre, Groove-artigen Passagen, Post-Metal-Wutausbrüchen und gemächlichem Abgang.
Nichts hieran ist auch nur im Geringsten formelhaft, wiewohl klar nachvollziehbar ist, woher Matador ihre Inspiration beziehen – Long Distance Calling trifft auf Cult Of Luna trifft auf Lantlos trifft auf Breach. Und doch kratzen diese vier Eckpfeiler bestenfalls an der Oberfläche von „Above, Below And So“, dessen sympathische, unbeqeueme und aufbrausende Eigentümlichkeit mehr und mehr Spaß macht, selbst in den hässlichsten Passagen. Konstantes Spiel mit Ebbe und Flut, mit epischem Feingefühl und ungezügelter Aggression kommen richtig gut. Ihr drittes Album ist ihr bislang stärkstes Werk: Matador steuern neue Höhen an.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 27.02.2026
Erhältlich über: Church Road Records
Facebook: www.facebook.com/matadorlives


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