In A House Of Heartbeats – Divination Of Dreams

(c) Charlie Hill
In A House Of Heartbeats haben ein sehr eigenwilliges Verständnis von Musik. Das Trio aus Essex schreibt keine klassischen Songs, sondern setzt auf ‚Klangreisen‘, die besondere Stimmungen erzeugen sollen, die mit cineastischer Atmosphäre und stetig wechselnden Stimmungen herausfordern. Und das geschieht rein instrumental sowie mit unzähligen Einflüssen zwischen Post Rock, Doom, Goth, Shoegaze und sogar etwas Noise. Vom aktuell sehr umtriebigen Magnus Lindberg (Cult Of Luna) gemastert, steckt der Einstand „Divination Of Dreams“ den vielschichtigen Ansatz der Engländer zumindest einigermaßen ab.
‚Songs‘ wie „In A Perpetual State Of Wonder“ verdeutlichen diese ungewöhnliche wie mitreißende Herangehensweise gekonnt. Der eröffnende Elfminüter spielt mit purer Wucht, zittriger Laut-Leise-Dynamik, nähert sich Post-Black-Metal-Rumpeln und zieht sich doch am Höhepunkt stilsicher zurück. Und wieder von vorne, mit erstaunlicher Vehemenz. Und zurück in die vermeintliche Idylle. Krasse Kontraste und bewusst rauer Sound unterstreichen jenen schemenhaften Versuch einer Arrangierung, den auch „Oneiromancy For Beginners“ für sich gepachtet hat. Zunächst relativ klassische Post-Rock-Spannungsbögen und -Eruptionen treffen auf abstrahierende Heavyness und bekömmlich noisiges Chaos.
Dass das folgende „A Head Full Of Ghosts“ tanzbar und zugleich ausgehöhlt klingt, lässt sich schwer sinnvoll und sinnhaft erfassen. Bewusst gesetzte Leerstellen, immersive Hochfrequenztöne und wiederholte kurze Gitarrenwände bilden den Auftakt eines weiteren XXL-Tracks, der das Spiel mit Stimmungen sogar noch einen Tacken besser versteht, mit Math und Gaze anbandelt, doomige Schwere neben Core-Andeutungen reiht. Und dann ist da noch „Cambion“, laut und aufbrausend, zunächst halbwegs traditionell erscheinend. Selbstverständlich trügt dieser Schein, denn nach und nach eskaliert das Geschehen in einen verspielten, finster-noisigen Mittelteil, der einfach mal alles ad absurdum führt. Das hymnische Finale schlägt dem Fass den imaginären Boden aus.
So schräg, dass es beinahe kursiv ist: In A House Of Heartbeats brechen Post-Rock-Konventionen mit betontem Nachdruck auf und erstellen Klanggebilde der unorthodoxen, herausfordernden Art. Und doch brennt sich eben dieser Ansatz ein, denn der Verzicht auf songdienliche Arrangierung, um stattdessen sphärische Momente zu kreieren, geht erstaunlicherweise auf. „Divination Of Dreams“ dringt mit beneidenswerter Bauchgefühl-Präzision in neue Welten vor, putzt sich kurz die Schuhe ab und klopft direkt bei der nächsten Türe an. Eindrückliches Feingefühl, schroffe Wucht und knarzende Wut suchen mehr, als sie finden – Post Rock für Fortgeschrittene, der letztlich so viel mehr ist und nicht mehr loslässt.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 16.01.2026
Erhältlich über: Ripcord Records
Facebook: www.facebook.com/InAHouseOfHeartbeats


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