Wiltwither – Pure Light

| 26. Oktober 2025 | 0 Comments
Wiltwither

(c) Wiltwither / 3DOT Recordings

Das US-Quintett Wiltwither hat sich einiges vorgenommen. Nach zwei kurzweiligen EPs mit Metalcore-, Math-, Nu- und Djent-Schlagseite sowie zig weiteren Einflüssen sollte das erste reguläre Album, zugleich der Einstand für 3DOT Recordings, direkt eine Konzeptplatte werden. „Pure Light“ befasst sich mit den schönen, schlechten und hässlichen Seiten des Lebens, rund um eine dystopische Sci-Fi-Geschichte: Die US-Regierung füttert Probanden eine neue Droge und steckt sie in Gruppentherapie-Einheiten, wo sich telepathische Verbindungen bilden, die schließlich zu Kontrollzwecken manipuliert werden.

Derlei starker Tobak schlägt sich in entsprechender musikalischer Ausrichtung nieder. Die schiere Intensität eines „Can I Live In This Moment Forever“ nähert sich gelegentlich einer gewissen Unerträglichkeit an. Irgendwo an der Grenze zwischen Metalcore, Mathcore und Beatdown-ähnlichen Klängen baut die schrille Gitarre schnell zermürbende Qualitäten auf und zerlegt das Seelenleben mit einem groben Keil. Einige Türen weiter kotzt sich „Obsolete“ die Seele aus dem Leib und kreuzt Djent-Tunings mit Nu-Metal-Ansätzen, während sich das Arrangement gefühlt durchgehend häutet. Rohe, ungeschliffene Brutalität macht alles kaputt.

Auch „New Pain“ ist auf Zerstörung aus, kreuzt Psychoterror mit Beinahe-Groove und kurzen, pointierten Zäsuren zwischen Samples und Sarkasmus. Der abschließende Titelsong macht hingegen ein gewisses Faible für HipHop und RnB, aber auch für Shoegaze deutlich, das Wiltwither seit jeher begleitet. Wie sich der Klargesang nebst nahezu beatesken Gefilden in den Vordergrund arbeitet, nur um zwischenzeitlich erneut niedergestreckt zu werden, bietet ebenso hohen Unterhaltungswert wie das mit Andrew Herman von Johnny Booth eingespielte „Front Door Phobia“, das sogar die Turntables am Stand durchdrehen lässt, während die zusätzliche Stimme fast schon traditionelle Hardcore- und Metalcore-Vibes einbringt. Kann man machen, weiß zu unterhalten.

Tief durchatmen, den Schweiß von der Stirn wischen, dann erneut ab ins Gefecht: Eine der heftigsten halben Stunden des bisherigen Musikjahres schickt sich an, Limits zu überschreiten, wobei die beklemmende Story dahinter den Gesamteindruck tatsächlich weiter verschärfen kann. Doch auch ohne diese weitere Dimension reißt „Pure Light“ im besten Sinne mit, sprengt klassische Core-Ketten mit wachsender Begeisterung. Wiltwither zelebrieren Katharsis durch kontrolliertes Chaos – nicht immer schön oder gar freundlich, doch stets mitreißend und clever.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 31.10.2025
Erhältlich über: 3DOT Recordings / Kartel Music Group

Facebook: www.facebook.com/wiltwither

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Category: Magazin, Reviews

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