Chevelle – Bright As Blasphemy

| 11. August 2025 | 0 Comments
Chevelle

(c) Steve Thrasher

Die Band Chevelle ist ein spannendes Phänomen. In ihrer US-Heimat ging das Trio aus Grayslake, Illinois um die Brüder Pete und Sam Loeffler mehrfach Gold und Platin, in Europa haben sie ein treues, jedoch vergleichsweise übersichtliches Publikum. Zum ersten Mal seit ihrem Einstand 1999 sind sie nun wieder als Indie-Band unterwegs, nachdem der nach eigenen Angaben sehr unvorteilhafte Deal mit Epic ausgelaufen war. Für das in Eigenregie eingespielte „Bright As Blasphemy“, ihr mittlerweile zehntes Studiowerk, wurden die Zelte bei Alchemy Recordings aufgeschlagen.

40 Minuten lang setzen sich die US-Veteranen mit grundlegenden Herausforderungen und Potenzialen der menschlichen Existenz auseinander, und das im vertrauten Soundgewand. Am oberen Ende der Härteskala operiert „Wolves (Love & Light)“, das schon mal an die wütende Heavyness früher Tool erinnert und Pete Loeffler zu Stimmakrobatik hinreißt, von ganz hohen Registern bis hin zu purer Aggression. Der furiose, getriebene Track nimmt gefühlt durchgehend an Intensität zu, martialische Screams inklusive. Hingegen kommt „AI Phobias“ angenehm proggig rüber und spielt mit mystischer Schwerfälligkeit. Auch dieser Song scheint stets zu eskalieren, spielt mit Pop-Mustern und langt mit seiner Hook sofort zu.

Ein vorab ausgekoppelter Zweiteiler erstrahlt weiterhin in bestem Licht. „Rabbit Hole (Cowards, Pt. 1)“ ist eine typische Chevelle-Hymne zwischen Alternative Rock und Metal, spielt mit mächtig Drama und emotionaler Schwere, liebt seine großen Gesten ebenso wie die massiven Gitarrenwände. Die hat auch „Jim Jones (Cowards, Pt. 2)“ für sich gepachtet, bloß kantiger und verschaltelter dargeboten. Irgendwo im Nu-Prog-Umfeld angesiedelt, versucht das Trio immer wieder aus dem Wahnsinn des Seins auszubrechen und arbeitet auf konstante Zuspitzung zu, deren schiere Aggression bestens verstört. Die durchaus resignierende Präsentation von „Shocked At The End Of The World“, gepaart mit süßlichen Hooks, bringt nochmals sämtliche Qualitäten auf den Punkt.

Und Qualität hat dieses Album in Hülle und Fülle zu bieten. Streng genommen bieten Chevelle wenig Neues oder Überraschendes, was stolze 30 Jahre nach Bandgründung selbsterklärend sein sollte. Dafür stimmen die Songs, die zwar etwas Geduld benötigen, sich jedoch mit jedem Durchlauf weiter festbeißen, ins Kleinhirn bohren können und sich dort mit wachsender Begeisterung einnisten. „Bright As Blasphemy“ ist heavy und wütend, melodisch und progressiv, anspruchsvoll und poppig zugleich – ein geschicktes Spiel mit der vertrauten Formel, auf spannende Weise interpretiert und mit mächtigen Songs umgesetzt. Die neue Freiheit bekommt Chevelle hörbar gut und lässt sie zurück in Richtung Bestform aufbrechen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 15.08.2025
Erhältlich über: Alchemy Recordings / BMG Rights Management (Universal Music)

Website: getmorechevelle.com
Facebook: www.facebook.com/chevelle

Teile diesen Artikel

Tags: , , , ,

Category: Magazin, Reviews

Demonic-Nights.at - AKTUELLES