No Shelter. – Remission/Resolve

(c) Kevin Bethke
No Shelter. fanden sich im selbem Jahr, in dem sich Trap Them auflösten. Ein Zufall? Vermutlich, doch kann die schiere, brachiale Hardcore-Vehemenz des Quintetts aus dem Münsterland locker mit den einstigen Blackened-Hardcore-Ikonen mithalten. Dort finden sich die deutschen Nachbarn ebenfalls und mischen Death Metal der alten, räudigen HM2-Schule hinzu, bevorzugt so roh und dreckig wie menschenmöglich. „Remission/Resolve“ ist ihr neuester Streich und glänzt abermals mit schier unfassbarer Wucht.
Das stilvolle Cover von „Wolverine Blues“ zum Abschluss ist übrigens kein Zufall: No Shelter. sägen gerne am Rande des Nervenzusammenbruchs, wie unter anderem „No Hope – No Life“ recht eindrucksvoll unter Beweis stellt. Das hat gelegentlich schon mal etwas von Psychoterror, gerade im ellenlangen Aufgalopp. Wütende, unfassbare frontale Vocals passen ins Bild, zerlegen die Riff-Ansätze mit wachsender Begeisterung und verbreiten ein sympathisch unangenehmes Gefühl: „Rotten“, ein für weite Teile dieser Platte passender Titel. Dieser wiederholt um sich schlagende, dann wieder komplett entschleunigte, schrille Track passt ins Bild.
Wie wäre es mit einer kleinen Explosion? „Schizophrenia“ erinnert an frühe Converge und dreht zunächst mit wachsender Begeisterung am Rad. Unorthodoxe Vocal-Samples führen in einen eher geradlinigen Metallic-Nackenbrecher, bevor der Schlussakt ins Sägewerk umzieht. Dort lauert bereits „Soaked In Fear“, das wohl deutlichste HM2-Bekenntnis, giftig und unbequem, bevor die zweite Hälfte gekonnt entschleunigt und sogar so etwas wie infernale Melodik andeutet. Da fühlt man sich schon mal „Doomed“, wiewohl No Shelter. in diesem Exkurs wieder und wieder beherzt zulangen, wenngleich die etatmäßige Verlangsamung samt Übersteuerung bestens ins Bild passt.
Wie laut? Wie unwirtlich? Wie intensiv? Wie begeisternd? Das ‚Ja‘ hallt durch die Endlosigkeit und hievt No Shelter. auf das nächste Level. Ihr brachialer, unerwartet komplexer Hardcore war immer schon eine spannende Sache, doch kann „Remission/Resolve“ so richtig abräumen. Neben jenen Extremen, die gemeinhin als Blackenend Hardcore bekannt sind, schneidert das deutsche Quintett rundherum sägende Death-Metal-Magie, haut Punk- und Metal-Synergien raus, fackelt den Pit ab und kann im Zweifelsfall sogar grooven. Und das mit Texten, die gerne mal unter den Fingernägeln brennen. Diese Abrissbirne muss man gehört haben.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 25.07.2025
Erhältlich über: This Charming Man Records (Cargo Records)
Facebook: www.facebook.com/NoShelterBand


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