The Fall Of Every Season – Amends

| 19. Februar 2013 | 0 Comments

The Fall Of Every Season

Wo die einen sich in Bands austoben und gemeinsam Musik kreieren, proben andere den Alleingang – manche mehr, manche weniger erfolgreich. Der Name Marius Strand ist bestenfalls Doom-Kennern ein Begriff. Als The Fall Of Every Season veröffentlichte er 2007 „From Below“, einen schwer verdaulichen Death’n’Doom-Brocken, geprägt von Melancholie und Weltschmerz. Gerade ersteren, nachdenklichen Faktor intensiviert der Norweger, mittlerweile bei Grau gelandet, auf seinem zweiten Album „Amends“, abermals in kompletter Eigenregie eingespielt.

Offensichtlich bringt der langwierige, geradezu ausladende Arbeitsprozess ein intensiveres Klangerlebnis mit sich, wie „Sole Passenger“, der erste von vier Songs (plus ein instrumentales Zwischenspiel), zeigt. Nach einem ellenlangen Intro kokettiert eine einsame Gitarre mit einer schwerfälligen Mischung aus enttäuschten Hoffnungen und mentalem Zusammenbruch. Schon hier fällt auf, dass die (programmierten?) Drums immer noch zu den Schwachstellen dieses Projekts zählen, gelegentlich eine Spur zu flach für die Breitwand-Songs ausfallen. Strands Vocals retten jedoch in höchster Not. Growls und Klargesang sind nach wie vor prima, gerade die fragil geträllerten, spärlich instrumentierten Passagen sorgen für Gänsehaut.

Schon steckt man knietief im zweiten The Fall Of Every Season-Album, das – abgesehen von den erwähnten Drums und dem einen oder anderen sehr langen Intro – keine nennenswerten Schwachstellen zu bieten hat. Selbst „Aurelia“, das schwer in die Gänge kommt, entwickelt sich nach mehreren Durchläufen zu einer ansprechend in Szene gesetzten Tragödie im klassischen Sinn, auch der wuchtige Rausschmeißer „Come Waves“ hat seinen Reiz. Semi-akustische Instrumental-Parts gehen positiv an die Substanz. Mit „The Mammoth“ – nomen est omen – hat sich Marius Strand jedoch selbst übertroffen. Schleppender Beginn, martialisch-doomiger Groove, Psychoterror-Melodien und ein kathartisches Finale mit bewegendem Gesang – es kann so einfach sein, auch wenn 13 Minuten Doom freilich alles andere als das sind.

Es dauert abermals ein wenig, bis Marius Strand in die Gänge kommt. „Amends“ ist selbst sein größter Feind. Natürlich legt der Norweger die ausgedehnten Intros, Outros und Interludes als spannungsunterstützende Mittel an, zu oft unterbricht er damit jedoch seine Songs gerade dann, wenn sie am schönsten sind. Und doch beschwert man sich auf hohem Niveau, denn wenn diese Mini-Epen erst einmal in Fahrt gekommen sind, zeigt sich, dass The Fall Of Every Season ein Doom-Projekt von großem Potential sind. Strand möge sich für die nächste Platte einen anständigen Drummer ins Boot holen, der den monumentalen Arrangements den nötigen letzten Kick verleihen kann.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 22.02.2013
Erhätlich über: Grau Music (Soulfood Music)

Website: www.thefallofeveryseason.com
Facebook: www.facebook.com/pages/The-Fall-Of-Every-Season/117583444472

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Category: Magazin, Reviews

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