Hoaxed – Death Knocks

(c) Shimin Karmel
Als Hoaxed noch vor dem Release ihres ersten Albums mit den Arbeiten an einem Nachfolger begannen, kristallisierte sich schnell so etwas wie ein Leitmotiv heraus: Ungewissheit im Angesicht der Zukunft. Mit April Dimmick wurde eine neue Bassistin und Zweitstimme integriert, zudem entstanden einige Tracks während der Schwangerschaft von Drummerin Kim Coffel. Welche Welt ihren Nachwuchs wohl erwarten würde? Muss man vor dem Unbekannten wirklich Angst haben? „Death Knocks“ setzt sich gekonnt mit elementaren Fragen auseinander und schärft den Death Rock des Trios einmal mehr.
Die schiere Beklemmung, die „Promised To Me“ mit seiner eröffnenden Gitarre ausstrahlt, schafft physische Schmerzen. Kat Keos Stimme erhebt sich aus dem Dickicht, wirkt in sich ruhend und sorgt dafür, dass sich die sprichwörtliche Schlinge fast unbemerkt zuzieht. Donnernde Drums im Fast-Uptempo-Hauptteil sorgen für etwas Abwechslung, doch ist es letztlich pures Unbehagen, das hier für maximalen Effekt eingesetzt wird. „Wretched“ zieht dafür gespenstisches Gelächter heran, geht mit wachsender Begeisterung nach vorne und packt metallische Bosheit aus. Die frenetische Schlussminute fährt durch Mark und Bein.
„Where The Seas Fall Silent“ eignet sich hingegen die Schwere des Seins als gekonntes Stilmittel an, dröhnt massiv und erdrückend durch seine knapp vier Minuten, während bittersüße, himmlische Melodien in mystische Welten entführen. An anderer Stelle lässt „The Family“ die Gitarre etwas quengeln, klingt in jeder Hinsicht massiver und torpediert sämtliche Sinne. Gelegentliche Screams und heiseres Kreischen strapazieren das Nervenkostüm im besten Sinne. Die herrliche Schwere von „The Fallen“, die anmutigen Klargesang mit dämonischem Fauchen verbindet, drückt dem Dark Rock einen ganz eigenwilligen, fast schwarzmetallischen Stempel auf.
Dass eine gute halbe Stunde derartig schwerfällig, zermürbend, unbequem und doch vorsichtig hoffnungsvoll klingen kann, sorgt durchaus für Begeisterung. „Death Knocks“ zähmt Ungewissheit und verarbeitet diese mit fatalistischer Freude. Der düstere, gerne extreme, zugleich stets hochgradig eingängige Sound von Hoaxed klingt noch einen Tacken massiver und bedrohlicher, aber im richtigen Moment sympathisch bis verführerisch. Auf ihrem zweiten Album zeigt sich das Trio aus Portland von seiner spielfreudigen Seite, setzt auf packende Atmosphäre und Wahnsinn der großspurigen wie furiosen Sorte. In dieser Form gilt es auf Hoaxed unbedingt aufzupassen: Hier passiert Großes.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 13.02.2026
Erhältlich über: Relapse Records (SPV)
Website: www.hoaxedband.com
Facebook: www.facebook.com/hoaxedband


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