Turpentine Valley – Veuel

| 3. März 2026 | 0 Comments
Turpentine Valley

(c) Turpentine Valley

Instrumentale Meister benötigen keinen Himmel, um frei zu fallen. Was sich poetisch liest, ist absoluter Nonsense und bildet somit einen krassen Gegensatz zu dem, wofür Turpentine Valley stehen. Im Vorjahr nahm man sich eine kleine Auszeit von der Bühne, um neues Material zu schreiben und aufzunehmen. Ihre Musik erzählt eine Geschichte, die persönlicher Interpretation offensteht, wenn man sich denn darauf einlässt. Doch auch ohne narrative Dimension kann „Veuel“, das dritte Album der drei Belgier, einmal mehr auf ganzer Linie überzeugen.

Einer der stärksten Songs wurde exakt zur Albummitte platziert und wirbelt dort gehörig Staub auf. „Pando“ legt wüst, metallisch, derb los. Wirbelnde Drums, donnernder Bass und tiefe Gitarren reihen Sludge-ähnliche Wände an beklemmende, suchende Töne. Vorsichtig werden unbekannte Pfade beschritten, während ein kleiner Zusammenbruch mittendrin und der bleierne Schlussakt aus unterschiedlichen Gründen unter die Haut gehen. Das eröffnende „Serpent“ wirkt erstaunlich leichtfüßig und steht doch mit beiden Beinen mehr als fest am Boden. Geschickt bauen die Belgier ein Leitmotiv auf, wandeln es immer wieder leicht ab und lassen die Gitarre sogar singen. Beinahe Sci-Fi-artige Töne lassen die Schlussminute wachsen.

Die Magie von „List“ ergibt sich aus dem Wechsel der Gezeiten, aus fast meditativen Momenten und anknüpfender Schwere. Drückende Heavyness kollidiert mit vorsichtig eingestreuten Melodien und einer gesunden Portion Beinahe-Uptempo. Hingegen geht „Derf“ relativ forsch und scharfkantig nach vorne, lässt die Gitarrenwände jubilieren. Die schroffe Intensität von Russian Circles trifft auf sehr kurze Thrash-Anleihen, nur um erneut in höchste epische Höhen zu klettern. Dort lauert bereits „Aloof“ und ringt mit Zögern, mit Zaudern, mit Misstönen. Eine Lawine nach der anderen entlädt sich, und doch schimmern immer wieder klassische Post-Rock-Töne durch.

Mit diesem konstanten Wechselbad der Gefühle verzaubern Turpentine Valley ein ums andere Mal. Worum es hier tatsächlich geht, welche Lehren man aus diesen zehn Songs ziehen kann, bleibt letztlich offen, doch hat eben dieser Ansatz Methode. „Veuel“ lädt dazu ein, den Gedanken freien Lauf zu lassen, während Gezeiten kollidieren, erstaunlich forsche Wucht und seltene filigrane Momente auf der Suche nach dem großen Crescendo, nach dem Hauch von Katharsis unwegsames Gelände durchschreiten. Das belgische Trio klingt noch einen Tacken größer, düsterer und intensiver – eine willkommene Entwicklung auf dem unaufhaltsamen Weg nach vorne.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 06.03.2026
Erhältlich über: dunk!records / A Thousand Arms Records / Ripcord Records

Facebook: www.facebook.com/turpentinevalley

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Category: Magazin, Reviews

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