Impureza – Alcázares

(c) Michel Canavaggia / Mr Cana Photography
Death Metal trifft Latin-Klänge – ein verwegenes Konzept, das zwei vermeintlich konträre Welten zusammenbringt. Das französisch-spanische Quartett Impureza aus Orléans kultiviert diesen Crossover-Ansatz seit mittlerweile zwei Jahrzehnten. Flamenco-Elemente und ein akustischer Bass treffen auf brachiale, tödliche Härte, begleitet von Texten über die Geschichte und Kultur Spaniens. Dafür braucht es freilich Geduld – die letzte Platte ist fast acht Jahre her – doch lohnt sich diese eigentlich immer. „Alcázares“ wagt einmal mehr einen spannenden, spektakulären Streifzug über die iberische Halbinsel.
Worum es beispielsweise in „Reconquistar Al-Ándalus“ gehen könnte, verrät bereits der Titel. Lässig eingestreute Percussion kollidiert mit galligen Frontalattacken, die Esteban Martin in brutaler, unnachahmlicher Manier förmlich zerbrüllt. Wütender, klassischer Death Metal mit iberischem Beigeschmack erreicht wieder und wieder seine kleinen Siedepunkte, herrlich folkloristisches Break mittendrin inklusive – eine mehr als willkommene kleine, semi-akustische Wendung. Der zwischenzeitlich eingestreute Klargesang von „El Ejército De Los Fallecidos De Alarcos“ punktet nicht nur mit hymnischer Landessprache, sondern unterstreicht die im wahrsten Sinne des Wortes besondere, sympathisch unorthodoxe Stimmung dieser Platte – ruppig, verspielt und anderweltlich.
Fortan entwickelt sich ein kleiner Siegeszug, beispielsweise wenn „Bajo Las Tizonas De Toledo“ ab der ersten Sekunde beide Welten zusammenführt, ein imaginäres ¡Olé! aufs Tableau holt und doch imaginäre Messer wetzt. Wunderbar abgedrehtes, technisch anspruchsvolles Gitarrenspiel kollidiert mit stampfenden Extremen und betreibt kolossales Worldbuilding, als würden sich Morbid Angel in Buñol mit Tomaten bewerfen, packendes Stottern inklusive. Der klassische, an Flamenco-Performer angelehnte Gesang von „La Orden Del Yelmo Negro“ fährt immer wieder durch Mark und Bein und zieht in eine nahezu proggige Höllenabfahrt, deren wiederholte kleine Häutungen die Verstörung perfekt machen.
Was hier passiert, lässt sich schwer in angemessene Worte kleiden, macht aber auf jeden Fall ordentlich Laune. Der grundlegende Death-Metal-Sound des Quartetts kann bereits unterhalten und wäre für sich eine feine Sache, doch sind es erst diese aufregenden iberischen Noten, in Ton und Text, die Impureza in höchste Sphären katapultieren. Willkommene Unvorhersehbarkeit, erstaunliche Grandezza und ordentlich Drama lassen „Alcázares“ erst so richtig aufblühen, wachsen und gedeihen. Mit jedem Durchlauf wird dieser Höllenritt besser und im schönsten Sinne gefährlicher, brennt sich ein und macht Lust auf mehr – darauf hat man gerne lange gewartet.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 11.07.2025
Erhältlich über: Season of Mist (GoodToGo)
Facebook: www.facebook.com/Impurezaconquista


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