Cyclone – Known Unto God

(c) Rudy De Doncker
Mitte der 80er machten sich die als Centurion gegründeten Cyclone einen Namen als Thrash-Pioniere in ihrer belgischen Heimat. Zwei Alben entstanden, 1993 war schon wieder Schluss. Seit 2019 tritt die Band gelegentlich auf, zudem schrieben der inzwischen ausgestiegene Ur-Gitarrist Stefan Daamen und Frontmann Guido Gevels, das einzige verbliebene Gründungsmitglied, neue Songs. Mit einer komplett neuen Mannschaft veröffentlicht er diese nun in Form des Mini-Albums „Known Unto God“, das zugleich Auftakt für neue Großtaten sein soll.
Gevels und Co. entschieden sich bewusst für kürzere Songs, für einen Old-School-Sound und den Versuch, sich selbst nicht zu kopieren. Der drückende Opener „Eliminate“ kann all das richtig gut umsetzen. Nach einem hektischen Drumintro kreist der Nackenrotor immer schneller und schneller. Gevels‘ hohe, wütende Stimme mit Trademark-Akzent klingt so giftig wie eh und je, während das Uptempo-Arrangement rundherum seine Wirkung nicht verfehlt – drückend, kantig, auf das Wesentliche reduziert. Der folgende Titeltrack „Known Unto God“ serviert ebenso wütenden Thrash der alten Schule, orientiert sich selbstverständlich etwas an der Bay Area und gibt sich richtig schön dreckig. Das abgedrehte, ausladende Solo passt perfekt ins Bild.
„I Fear Myself“ explodiert regelrecht aus den Boxen, schraubt das Tempo in ungeahnte Höhen und lässt die Muskeln spielen. Gelegentliche Groove-Passagen und kompromissloses Riffing machen ebenso Laune wie der obligatorische reduzierte Mittelteil. Gevels‘ Lieblingssong ist „Nothing Is Real“ und zeigt Cyclone von einer anderen Seite. Das Spiel mit klassischeren Metal-Klängen und der hörbare NWOBHM-Einschlag, in nüchterne Finsternis getaucht, gehen vollends auf. Mit diesem fiesen, galligen Biest wachsen die Belgier über sich hinaus. „The Truth Lies“ hebt zum Abschluss ordentlich ab, macht Tempo mit wachsender Begeisterung und serviert einen kurzen, knappen Thrash-Banger der klassischen Sorte.
Richtig guter, old-schooliger Thrash, kleinere Überraschungen und massig Drive von der ersten bis zur letzten Sekunde: Cyclone bewegen sich konzentriert in vertrauten Gefilden und rennen damit offene Türen ein. Die pure, ungezügelte Wut alter Veteranen trifft auf kantige, klassische Riffs, ordentlich Energie und einen Frontmann, der auch nach stolzen 45 Jahren richtig gut klingt. „Known Unto God“ zeigt ein spielfreudiges Quintett, mit vertrauten Ideen und neuem Elan. Mehr Stoff soll demnächst folgen – ein Album dieser Güteklasse wäre ohne Frage eine absolute Bereicherung.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 06.02.2026
Erhältlich über: High Roller Records
Facebook: www.facebook.com/p/Cyclone-official-bandpage-100063577267482


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