Bruecken – Years That Answer

(c) Marvin Neugebauer
Die Hoffnung, so eine alte Binsenweisheit, stirbt zuletzt. Wie aber kann man hoffnungsvoll im Zeichen von Krieg, Autoritarismus und Faschismus, Klimaveränderung und zunehmender sozialer Kälte bleiben? Diese und ähnliche Fragen stellen sich Bruecken auf ihrem ersten Album seit vier Jahren. Die Post-Rock-Band aus Oldenburg ist nach dem Einstieg von Synth- und Electro-Maestro Bernd Frikke (MMTH) nun als Quintett unterwegs, zudem gibt es erstmals seit der Debüt-EP 2017 ein paar Vocals zu hören. Und doch geht „Years That Answer“ den im besten Sinne vertrauten, weitestgehend instrumentalen Weg auf beeindruckende Weise weiter.
So ist Gitarrist Thorge Freidel zwar beispielsweise im Opener „Periapsis“ zu hören, doch wirkt seine Stimme zunehmend wie ein Instrument, mengt diesem ohnehin reichhaltigen, intensiven Track zusätzliche Spuren bei. Auch Frikke darf sich austoben, vor allem im etwas ruhigeren, experimentellen Mittelteil, der zunehmend mystische Stimmung annimmt und dem großen Schlussakt die perfekte Bühne bietet. Die hier auftretende metallische Härte ist übrigens keine Ausnahme, bewegt sich im schroffen „Dissolving“ stellenweise sogar in Richtung Post (Black) Metal – sehr groß, sehr ruppig, sehr getrieben. Dass daraus kathartische Melodik entsteht, passt ins Bild.
Und dieses Bild ist differenzierter denn je, wenn etwa „Chronostasis“ mit drückender Heavyness zu ringen hat, bevor das Auge des Sturms sämtliche Aktivitäten auf ein Minimum reduziert und vorsichtig durch eine nicht näher benannte Dunkelheit tappt. Oder wenn „Questions We Raise“ mit der Anmut von Collapse Under The Empire durch erstaunlich schwere Lasten marschiert und mal eben Platz für nahezu verspielte Pianoklänge macht. Die etatmäßig große, mächtige zweite Hälfte erdrückt ebenso wie das überlange Finale „Signs Of Spring“, dessen nahezu konstantes Spiel mit der Laut-Leise-Dynamik wieder und wieder kurz explodiert. Epische Klangwände und minimalistische Beklemmung machen den Weg frei für monumentale Schlussminuten mit den Stimmen des Emdener Kneipenchors – ein wahrlich erhabenes Happening.
Konsequente musikalische Erweiterung und ein wertvolles Investment in Atmosphäre, Struktur und Songwriting lassen Bruecken weiter wachsen. Ihr Post Rock gewinnt diesen gewissen Missing Link, wobei sich dieser schwer quantifizieren lässt. Nicht die gelegentlichen Vocals, nicht die Synthetik oder die Elektronik, nicht die brachiale Härte zwischendrin – alles absolute Gewinne, keine Frage. „Years That Answer“ profitiert von der Gesamtheit der Dinge, vom Zusammenspiel der Faktoren und von verdammt gutem Songwriting, das sich natürlich gewissen Erwartungen des Genres hinsichtlich Aufbau und kathartischem Finale bedient. All das geschieht auf frische, auf lebendige und hochgradig intensive Weise. Unterm Strich bleibt ein absolutes Post-Rock-Highlight, ein definitiver und mehr als herzhafter Leckerbissen der magischen Sorte.
Wertung: 9/10
Erhältlich ab: 27.02.2026
Erhältlich über: Moment of Collapse Records (Broken Silence)
Facebook: www.facebook.com/brueckenband
Slider-Pic (c) Marvin Neugebauer


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