Angel Du$t – Cold 2 The Touch

(c) Nat Wood
Hardcore muss nicht immer hart, heavy und bierernst sein. Das dachte sich auch Justice Tripp, als er mit einigen Freunden 2013 Angel Du$t ins Leben rief, als Kontrastprogramm zu seiner eher ernst veranlagten anderen Band Trapped Under Ice. Fünf Alben später ist dieser herrlich wahnwitzige wie unvorhersehbare Ansatz mehr als aufgegangen. Nun mit neuem Label und komplett neuer Rhythmusabteilung unterwegs, bemüht sich „Cold 2 The Touch“ darum, im Hier und Jetzt zu leben – obwohl das Ende aller Tage wohl nur noch eine Frage der Zeit ist.
Was bei anderen hoffnungslos klingen würde, machen Tripp und Konsorten zu einem Sammelsurium an Kampfansagen mit der Mission, das eigene Leben einfach zu leben. Der Auftakt bringt das Eigentümliche dieser Platte prima auf dem Punkt: „Pain Is A Must“ ist laut, derb und heavy, punktet ebenso mit feinsinnigen Indie-Melodien und klassischen Gitarren. Dass mittendrin Scott Vogel von Terror reinschneit und das Ding zerlegt, passt prima ins Bild. Er steht ganz oben auf einer ellenlangen Gästeliste. Im exzellent abgehangenen, melancholischen „Man On Fire“ mischt beispielsweise Frank Carter mit. Die Verwandlung von Alternative- und Gaze-Melancholie zu einem galligen Hardcore-Punk-Wellenbrecher kommt gut.
Wer die eingängigen Angel Du$t mag, sollte „Jesus Head“ lieben. Der sonnige Rocker mit Cali-Flair packt dicke Harmonien aus, eskaliert im Schlussakt zart und vermittelt pures Lebensgefühl, kleinere Abgründe hin oder her. Zwischenzeitlich langt das Quintett immer wieder beherzt zu. „Nothing I Can’t Kill“ tut dies mit angezogener Handbremse, während der Titelsong „Cold 2 The Touch“ puren Crossover-Flair vermittelt. In „The Knife“ wird Hardcore durch den Fleischwolf gedreht, wie eine sehr späte Antwort auf frühe Refused-Großtaten, nur um danach im wütenden Klammergriff von „The Beat“ (mit Taylor Young von Twitching Tongues) regelrecht zu ersticken.
Das neue Album des US-Quintetts erfüllt sämtliche Erwartungen, weil es diese übertrifft. Wie schon Turnstile (beide Bands teilen sich einst Musiker) fühlen sich auch Angel Du$t in einem Umfeld wohl, das Hardcore-Grenzen bewusst und dauerhaft sprengt, das bevorzugt unübliche und unvorhersehbare Einflüsse zulässt. Und doch langen sie beherzt zu, wieder und wieder, mit rasender Wut und doppeltem Boden. „Cold 2 The Touch“ ist so seltsam und zugänglich wie menschenmöglich, knüppelhart und filigran zu gleichen Teilen. Weil Angel Du$t einfach machen, denn morgen kann es schon zu spät sein. Starke Sache.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 13.02.2026
Erhältlich über: Run For Cover Records (Cargo Records)
Website: www.angeldustmoney.com
Facebook: www.facebook.com/angeldustmoney


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