Extol – Aura Of Decay

| 4. November 2026 | 0 Comments
Extol

(c) Extol / Solid State Records

Die Pausen mögen länger und länger werden, aber wenn sich Extol zurückmelden, dann tun sie das so vehement und bahnbrechend wie eh und je. Ihr letztes Album erschien im Sommer 2013, damals noch als Trio. Man tourte noch ein wenig, bevor es – bis 2023 – in eine längere Pause ging. Inzwischen ist Gründungsmitglied Christer Espevoll (u. a. Azusa) zurück und komplettiert das Original-Line-up. Sein Bruder und Sänger Peter tourt zwar weiterhin nicht (live gibt es vielfältige Unterstützung), ist aber auf Platte weiterhin am Start. Und das bekommt dem kompromisslosen „Aura Of Decay“ richtig gut.

Ein Song wie „Merciless Hunger“ unterstreicht eindrücklich, warum die Originalbesetzung auch nach über drei Jahrzehnten unerreicht bleibt. Die wiederholten Häutungen verwirren und verzaubern – Thrash-Riff, schwarzmetallsiche Urgewalt, verträumte Prog-Fanfaren, Tech-Death-Anleihen und hymnische Urgewalt finden wahnwitzig zusammen, ohne auch nur einen Moment überladen oder überfordernd zu klingen. Diese erdrückende Leichtigkeit legt auch ein „Dimness Of Lingering Gloom“ aus den Tag. Wenn Peter Espevoll zwischenzeitilich himmlischen, intimen Klargesang auspackt, ist alles eitel. Verführerische Süße kollidiert mit geifernder Wut und zermürbenden Riffwänden.

Wiederholte Häutungen sind ein essenzieller Bestandteil einer jeden Extol-Platte, und das gilt natürlich auch für Wunderwerke wie „Phantom Dismay“. Speziell in der ersten Hälfte spielen die Norweger mit leichtfüßigem Minimalismus, setzen auf beklemmende Atmosphäre und den zartesten Hoffnungsschimmer, der in weiterer Folge von geifernden Druckwellen abgeschossen wird. Das überlange Finale „End Of Times“ nähert sich hingegen der Prog-Meisterklasse an und vermengt diese mit Death-Doom-Klängen, als wären Swallow The Sun bei King Crimson in die Lehre gegangen – bizarr, finster und stellenweise erstaunlich eingängig.

Auch wenn nicht die gesamte Platte das teils exorbitante Niveau zu halten vermag, ist dieses erneute Extol-Comeback eine feine Sache geworden. Komplette, pointierte Überforderung, betont wahnwitzige Prog-Fanfaren und noch mehr Brutalität machen Laune, speziell wenn zur Abwechslung seltene klare, verhalten hoffnungsvolle Momente durch das imaginäre Dickicht brechen. Die Reunion der Originalbesetzung tat den Norwegern hörbar gut und macht „Aura Of Decay“ zum unterhaltsamen Extrem-Prog-Erlebnis, das sämtliche Sinne mit wachsender Begeisterung torpediert – nicht immer einfach, aber einfach gut.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 06.11.2026
Erhältlich über: Solid State Records

Facebook: www.facebook.com/ExtolOfficial

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Category: Magazin, Reviews

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