Queens Of The Stone Age – Perfecth

| 29. Oktober 2026 | 0 Comments
Queens Of The Stone Age

(c) Andreas Neumann

Stillstand kann man den Queens Of The Stone Age nun wirklich nicht vorwerfen. Seit Jahren treibt Josh Homme die zunehmende Abkehr von rifflastigem Stoner Rock, der zeitlosen Heavyness der Wüste und von ambitionierten All-Star-Platten voran und findet sich inzwischen in gemäßigteren, bewusst breiter aufgestellten Rock-Gefilden wieder. Von Altersmilde kann aber keine Rede sein. Das mittlerweile neunte Studioalbum „Perfecth“ stellt die Band in den Mittelpunkt, dreht sich um verschiedene Formen von Liebe und entstand über viele Jahre und Sessions hinweg, in diversen Studios, Städten und Phasen der Wüstenköniginnen.

Bereits der Opener lässt nicht nur die Herzen höherschlagen: „It’s Only Love“ ist ein bizarrer, jenseitiger Piano-Song, hörbar vom Katakomben-Projekt beeinflusst, und kommt gar nicht so richtig in Fahrt, bis er vom Zug erfasst wird. Das folgende „Insignificant Other“ war hingegen der zweite und letzte Aufnahme-Take für diesen Sechsminüter, der sich in Rekordzeit fand. Nachdenkliche Stimmung, singende Gitarren und ein paar Querverweise an die letzten Platten des Quintetts machen Laune, selbst für ein paar ikonische Desert-Riffs. Und doch ist es gerade die Gemächlichkeit, nur selten durchbrochen, die sich einbrennt.

„Easy Street“ mit Country-Sängerin Nikki Lane reduziert den Sound auf ein Minimum – zwei Stimmen, Gitarren, ein paar Tasten und weit offener Raum. Das ist im besten Sinne neu, aber auch richtig stark. „Sunday“ könnte man hingegen kennen, schrieb Homme diesen Track doch ursprünglich gemeinsam mit Iggy Pop für dessen mächtiges Spätwerk „Post Pop Depression“. Die Queens-Version fällt noch tanzbarer aus, lässt die Gitarre lässig durch eine französische Disco shufflen und geht ebenso wenig aus dem Ohr wie das fantastische „Where The Goth Girls At?“, das prima auf den Vorgängern funktioniert hätte – druckvoll, hymnisch, auf understatete Weise aufbrausend. Zum Abschluss setzt es mit „Run Away From The Mob“ einen Track, der seit etwa 25 Jahren herumschwirrt und während den „Like Clockwork…“-Sessions bereits mit Dave Grohl aufgenommen wurde – vom zögerlichen Fast-Galopp bis zum kathartischen Finale.

Die kreative Häutung geht in die nächste Runde und rückt Homme näher denn je an die unvorhersehbare Einzigartigkeit eines David Bowie. Tatsächlich atmen manche Songs des Geist des Thin White Duke, ohne in derartige Gefilde vorzudringen. Bloß werden letzte Stoner- und Desert-Reste weitestgehend abgestoßen, um einen nur einem vermeintlich erwachseneren Sound Platz zu machen. Was sich zuletzt angedeutet hatte, wird nun Realität: Queens Of The Stone Age platzieren sich mehr denn je in traditionelleren Rock-Sphären und tun dies auf ihre ureigene Weise. Das fällt gerne mal düster und beklemmend aus, sexy und tanzbar, dann drückend und nahezu euphorisch. Eben „Perfecth“, ein in so ziemlich jeder Hinsicht überraschendes und doch erwartbares, verdammt gutes Album.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 30.10.2026
Erhältlich über: Matador Records / Beggars Group (Indigo)

Website: qotsa.com
Facebook: www.facebook.com/QOTSA

Tags: , , , ,

Category: Magazin, Reviews

Leave a Reply