Korrupt – The Weight We Carry

(c) Korrupt / Holler Records
Seit über einem Jahrzehnt setzen Korrupt verschiedene Hardcore-Ausprägung als konfrontatives Mittel zum wachrüttelnden Zweck ein. Das Quintett aus Kristiansand von der norwegischen Südküste entstammt einer recht kleinen Szene und ringt mit einer von konservativem Christentum geprägten Region, begleitet von sozialem Druck und der nahezu steten Überwachung durch das Leben in der Kleinstadt. „The Weight We Carry“ münzt dies auf die Ideen, Erwartungen, Ängste und den Druck im Innersten der Menschen um, und wie man damit umgehen kann.
„Waiting For The Sun“ eröffnet mit einer Fanfare, nur um sich binnen Sekunden im höllischen Abgrund wiederzufinden. Brachiale Blackened-Hardcore-Druckwellen erfassen mit High-Speed-Action, giftigen Screams und infernalen Gitarren, bevor das erste Singalong aus den Wolken bricht und einen Funken Hoffnung verbreitet. Dieser erlischt zwar binnen Sekunden, bereitet aber dem folgenden Kampf zwischen Licht und Schatten die perfekte gallige Bühne. Das ist aber nur eine von viele Facetten auf diesem Album, denn neben Urgewalt à la Trap Them mögen Korrupt auch feiste Riffs, eine feine Dosis Rock und verwaschene Hooks. Frühe Kvelertak schauen immer wieder mal vorbei, siehe und höre das explosive „Totalitarian“, das aggressivsten Black Metal neben geradezu sleazige Gitarren stellt.
Das Kontrastprogramm zeichnet ein Album aus, das sich nahezu konstant häutet. Wie im heiseren „Devoted To The Grave“, das am Anschlag purer Verzweiflung operiert, wild und unkontrolliert um sich schlägt, bevor im Hauptteil melodischer Hardcore aus dem Nichts auftaucht und ein unerwartetes wie angenehmes Naheverhältnis zu Comeback Kid schafft. Dieser derbe Ohrwurm lässt ebenso wenig los wie der epische, überlange Abgang „I Am The Soil“, der sich noch weiter aus dem Fenster lehnt. Finstere, faulige Blackened-Wände nehmen das Heft in die Hand, der eine oder andere melodische Ausflug verpufft regelrecht und wird von schwerfälligem Midtempo geradezu erdrückt. Bis zum erstaunlich hymnischem Abgang.
Nahezu konstant droht das sprichwörtliche Pulverfass zu explodieren. Mit ausgefahrenen Ellenbogen und einer zarten Portion Hoffnung kämpfen sich Korrupt durch die Untiefen des Seins und arbeiten einmal mehr lautstark daran, ihren eigenen Weg weiterhin verfolgen zu dürfen. „The Weight We Carry“ befasst sich mit erdrückenden Lasten, die es sich zu schultern lohnt, um gestärkt neue Ufer anzusteuern. Tiefschwarzer, brutaler Hardcore trifft auf fieberhafte Hooks, zwischen schnörkelloser roher Gewalt und eingängigem Charme pendelnd – eine gekonnte Wutprobe der unbequemen und doch alles andere als aussichtslosen Art.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 30.10.2026
Erhältlich über: Holler Records
Facebook: www.facebook.com/korruptband

