Mental Cruelty – Echoes Of A Forlorn Land

(c) Josh Richter
Wenn man sich bei Mental Cruelty auf eine Sache verlassen kann, dann ist es die Unvorhersehbarkeit. Die Wandlung des Quartetts aus Karlsruhe von brutalen Deathcore-Meistern zu derben Extreme-Symphonikern mit schwarzmetallischer Schlagseite brachte in den letzten Jahren großen Unterhaltungswert mit sich und gipfelte in „Zwielicht“, zugleich der Einstand von Lukas Nikolai an vorderster Front. Nach diversen Singles und weiteren Besetzungswechseln (ein Bassist wird aktuell gesucht, zudem sitzt seit dem Vorjahr Jonathan Koltun an den Drums) unterstreicht „Echoes Of A Forlorn Land“ den abermaligen Kurswechsel, der sich auf den Vorboten bereits angedeutet hatte.
Von Slam-Urgewalt distanziert man sich mehr denn je und setzt stattdessen auf Themen aus der nordischen Mythologie, begleitet von neuen Viking-, Folk-, Black- und sogar Melodic-Death-Einflüssen. Tracks wie „The Serpent Of Midgard“ zeigen jedoch, dass man musikalisch weiterhin wenig mit Amon Amarth und Konsorten zu tun hat. Die vertraute DNA des deutschen Quartetts bleibt klar erkennbar, vermischt frostige Riffs mit explosiven Vollsprints und purer, ungefilterter Aggression. Doch auch die kurzen, hymnischen Passagen kommen richtig gut, werden allerdings von tödlicher Urgewalt torpediert, bevor das Füllhorn gezückt werden kann. Konstantes Auf und Ab sowie schwarzmetallische Urgewalt dürsten nach Zerstörung.
„Frost“ braucht ein wenig, um aufzutauen, zunächst anmutig und massiv marschierend, bevor Nikolais gallige Vocals den Midtempo-Stomper frontal attackieren. Die zumeist deutlich gedrosselte Geschwindigkeit nebst symphonischen Untertönen steht Mental Cruelty ebenso gut zu Gesicht wie das furiose Riffmonster „Fenrir“, das nahezu konstant explodiert. Vertraute Deathcore-Einflüsse werden durch finstere Täler gejagt, während der dezent melodisch-proggig angehauchte Mittelteil sogar für kurze Momente die Sonne aufgehen lässt. Dieser kurze verstohlene Blick in Richtung Borknagar (minus Klargesang) macht ebenso Laune wie der Blackened-Death-Bastard „Raise The Raven Banner“, der gefühlt immer länger und schwerfälliger wird – eine weitere Monstrosität der unterkühlten und doch aggressiven Sorte.
Einmal mehr wagen Mental Cruelty etwas und rennen damit offene Türen ein. Wer die Vorboten mochte, wird „Echoes Of A Forlon Land“ lieben. Ihre Deathcore-Wurzeln bleiben offenkundig und prominent vertreten, weiterhin garniert mit Blackened Death und symphonischem Irrsinn. Durch zusätzliche Viking-Elemente, bewegende Hymnen und schwarzmetallische Urgewalt entsteht eine kauzige wie mitreißende Platte – angenehm unvorhersehbar, nach wie vor rasend und brutal, bloß um Welten nuancierter und frischer präsentiert. Mental Cruelty beschreiten neue Ufer mit alten Waffen und unterstreichen ihre bestechende Form.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 23.10.2026
Erhältlich über: Century Media (Sony Music)
Website: mentalcrueltyofficial.com
Facebook: www.facebook.com/MentalCruelty
Slider-Pic (c) Josh Richter

