The Pill – I Need To Be A Weapon

(c) Felix Offergeld
Ein Einstand wie ein nasser Fetzen ratterte vor zweieinhalb Jahren durch, als The Pill ihren Erstling „Hollywood Smile“ an den Start brachten. Mit ihrem rasanten, kompromisslosen Mix aus Punk und Hardcore – zehn Songs in 20 Minuten – schindete das Frankfurter Quintett mächtig Eindruck. Bereits im Mai 2025 ging man erneut ins Studio und nahm einen Nachfolger auf – zwölf Songs, zwei Tage (plus ein Tag für die Gesangsspuren), live und ohne Overdubs. Mit etwas Verzögerung landet „I Need To Be A Weapon“ nun mit wundervoller Wucht.
Angefangen beim energischen, getriebenen „Poor Thing“ knüpfen The Pill locker an ihren Vorgänger an. Es dauert eine ganze Weile, bis sich der Track aus der Reserve locken lässt, bis das anfängliche Grummeln an Intensität gewinnt. Und doch ist gerade dieser nervöse, schroffe Aufgalopp ein kleines Festmahl. Dass im direkten Anschluss mit „Nighttime Routine“ ein rasantes Powerhouse in gerade einmal 62 Sekunden durchbrettert, passt ins Bild. Das für Band-Verhältnisse mit über drei Minuten geradezu epische „Big Knife“ rundet die eröffenende Trifecta gekonnt ab – mehr Punk und Rock als Hardcore, angenehm melodisch und massiv.
Auch „Bad Thing“ ist gerne etwas ausführlicher unterwegs, entlädt sich dafür in wiederholten Druckwellen – melodisch und massiv, ein kleiner Leckerbissen in Sachen Heavyness und zugleich von einer gewissen, nicht von der Hand zu weisenden Finsternis umgeben. „Boys Will Be Boys“ denkt diesen Ansatz rifflastig weiter, trägt eine Spur Gluecifer in sich, stürmt und drängt zudem mit wachsender Begeisterung und bedrohlichem Understatement. Wütende Wellenbrecher wie „Manic Pixie Dream Girl“, die kompromisslose Hardcore-Husarenritte mit Hooks vermengen, oder das angenehm unbequeme „Poison Hemlock“ landen ohne Umwege im Hinterstübchen.
Einfach machen, natürlich ohne Rücksicht auf Verluste, so tanken sich The Pill durch ihr zweites Album. Willkommene, wundervolle Kompromisslosigkeit begleitet den Longplayer – dieses Mal eine Spur länger und verspielter angelegt, ohne auch nur eine Sekunde lang seine drastische, unmittelbare Art abzulegen. „I Need To Be A Weapon“ hat den einen oder anderen längeren Track mehr, schätzt emotionale Schwere und klassische Rock- und Punk-Riffs, nur um im nächsten Moment vehement zuzulangen. Diese Tablette schluckt man gerne – ein famoser Zweitling, der alles andere als schwer runtergeht.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 06.11.2026
Erhältlich über: Sounds of Subterrania
Facebook: www.facebook.com/ThePillOfficial

