E-L-R – Atropa

| 1. November 2026 | 0 Comments
E-L-R

(c) David Fitt

Starke Gefühle bestimmen die musikgewordene Kunst von E-L-R. Das Duo aus der Schweiz macht Musik, die gleichzeitig luftig und leicht sowie bleiern und heftig ausfällt, im weitesten Sinne irgendwo zwischen Doom, Gaze und Post Metal angesiedelt. Die Aufnahmen zu ihrem dritten Album beschreiben sie als schwierig, teils schmerzhaft. „Atropa“ – der botanische Begriff für die wunderschönen wie in manchen Fällen hochgiftigen Nachtschattengewächse, setzt sich intensiv mit Trauer, Delirium, obsessiver Liebe und Widerstandsfähigkeit auseinander.

Die drastische Magie von „Archeress“ fängt weite Teile der vertonten Intensität der Schweizer ein. Der lange Aufbau täuscht, denn urplötzlich brechen imaginäre Dämme und lassen drückende, geradezu schroffe Heavyness zu. Giftig peitschende Drums, schneidende Gitarre, in sich ruhender Gesang und Blast-Action aus dem Nichts zerlegen alles, bevor diese faszinierenden Stimmen auf dem Höhepunkt erneut auftauchen und durch die Endlosigkeit des enttäuschten Seins führen. Dort lauert bereits „Saltwinds“, herrlich unbequem ab der ersten Sekunde, und versucht zu meditieren, während das mentale Kartenhaus im Zeitlupentempo zusammenbricht.

Das Spiel mit Extremen und klanglicher Dynamik zeichnet E-L-R aus. So auch in „Cobalt Wound“ mit Shazzula von Wolvennest, das nicht so recht aus den Startblöcken kommen will. Ominöse Gitarrentöne und schleppende Doom-Zermürbung gehen eine unwirtliche Symbiose ein, setzen kurze und heftige Ausrufezeichen, wobei der sägende, bedrohliche Schlussakt sogar im besten Sinne an Amenra erinnert. Noch gewaltiger ist nur das abschließende „Echo Space“, alleine schon ob der Spielzeit von annähernd elf Minuten. Die braucht das Duo auch, um Ambient und Folk an einen steilen Abhang zu führen. Und dann springen E-L-R mit Post-Black-Metal-Stimmung, hellem Gesang und dem unaufhaltsamen Sog, der sich so plötzlich wie wohltuend ins hallende Nichts auflöst, in die leere Tiefe.

Der emotionale Fleischwolf schlägt mit erbarmungsloser Präzision zu: Mehr denn je stehen die musikalischen Extreme im Mittelpunkt, verschieben sich diese noch weiter und erweitern das damit verbundende Spannungsfeld konsequent. „Atropa“ fällt im besten Sinne giftig aus, von schwarzmetallischen Sprints über doomige Schwere bis hin zu atmosphärischer Gaze-Meditation und kleinen Ambient-Ausritten. Über all dem thront faszinierender Gesang, gerne als Gegenpol zur musikalischen Hässlichkeit eingesetzt, dennoch erschütternd und auf gewisse Weise unnahbar. E-L-R lassend tausend kleine Tode sterben, begleitet von einem beseelten Lächeln.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 06.11.2026
Erhältlich über: Prophecy Productions (SPKR)

Website: www.e-l-r.band
Facebook: www.facebook.com/elrhaze

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Category: Magazin, Reviews

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