Darkest Hour – Suffer Divine

(c) Pep Williams
Bei Darkest Hour weiß man, was man bekommt, und das seit mittlerweile 30 Jahren. Die Metalcore- und Melodic-Death-Urgesteine aus Washington D.C. um den harten Kern John Henry (Vocals) und Mike Schleibaum (Rhythmusgitarre) werden nicht müde, ihren Sound konstant zu verfeinern und weiterentwickeln. „Perpetual | Terminal“ war vor zweieinhalb Jahren als Einstand bei MNRK ein kurzweiliges Glanzlicht nach viel zu langer Wartezeit. Schleibaum betont, wie wohl man sich in der neuen Umgebung fühlt, zudem hatte man mit Mark Lewis (u. a. Exodus, Trivium und Killswitch Engage) einen echten Experten an den Reglern. „Suffer Divine“ hört man die aktuelle Topform an.
Zu hören gibt es vertraute Kost, selbstverständlich im besten Sinn. Nach einem kurzen Intro legt „Gods Of Decay“ in media res los. Henry brüllt sich erst einmal den Frust von der Seele, dann wird das Tempo kurz und pointiert angezogen. Furioser Death, etwas Core-Action, ein paar Thrash-Riffs und ein fieser Stomper mit melodischen Untertönen und rasiermesserscharfen Soli machen sich breit. So richtig tobt sich das Quintett aber erst in „Salvation“ aus, ein herrlich abgedrehter Fünfminüter mit ebenso herrlich vertrackten Einschüben. Das kurze, konsequente Ausbremsen der eigenen Musik zwischendrin macht richtig Laune, ebenso das verschleppte, unbequeme Outro, das sich immer tiefer in imaginäre Wunden bohrt.
„The Unforgiving Hand“ bricht etwaige musikalische Erwartungen sogar komplett auf und investiert zweieinhalb Minuten in instrumentale Sinnsuche und Fingerübungen, bevor verstörende Melodik und frustrierte Screams einen semi-balladesken Midtempo-Bastard lostreten, der bis zum ausgedehnten Finale immer weiter wächst. Wer danach einen kleinen Kinnhaken benötigt, lässt sich vom Titelsong die Gesichtszüge umarrangieren. Zweieinhalb Minuten Death-Thrash-Action mit fatalistisch-melodischer Schlagseite und zäh stampfendem Finale machen ebenso Laune wie das epische „A Story Of Redemption“ zum Abschluss. Das wütende, verwegene Langformat steht Darkest Hour ebenso prächtig zu Gesicht, wobei die klassische Gitarrenarbeit in der zweiten Hälfte ganz großes Kino ist.
Große Überraschungen bleiben aus – stattdessen machen Darkest Hour einfach, und zwar mit wachsender Begeisterung. Ihr mittlerweile elftes Studioalbum serviert Action, Urgewalt und gelegentliche willkommene Epik zum Drüberstreuen. Im Grunde verzichtet das Quintett darauf, das Rad neu zu erfinden, und macht einfach. Brutale Frontalattacken lockern auf, feinster Melodic Death, ein wenig Core-Ursuppe und knackige Eingängigkeit finden zusammen. „Suffer Divine“ zeigt eine Band, die ganz genau weiß, was sie will, die ihren Sound genauestens auslotet und bei aller Vertrautheit stets frisch und bekömmlich. Mehr braucht es nicht zum zermürbenden, nackenverrenkenden Glück.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 30.10.2026
Erhältlich über: MNRK Heavy (OPEN)
Facebook: www.facebook.com/DarkestHourDudes

