Hypno5e – Trame Noire

(c) Pelagic Records
Seit über 20 Jahren zählen Hypno5e zum Extreme-Prog-Inventar. Das französische Quartett veröffentlichte zuletzt zwei moderne Klassiker, so wütend wie dynamisch wie anspruchsvoll, und macht erst gar keine Anstalten, seinen cineastischen Sound einzubremsen. Dennoch wollte man auf dem mittlerweile siebten Studioalbum ein paar Dinge anders machen, den Einsatz von Samples reduzieren und auf einen organischeren Sound setzen. Gepaart mit kürzerer Spielzeit und warmer, an 70s-Psych-Rock erinnender Produktion entstand „Trame Noire“, natürlich eine weitere Konzeptplatte.
So sind es dieses Mal nur knapp 40 Minuten, die noch dazu die zuletzt auf „Sheol“ angedeuteten proggigen Klänge stärker betonen. Ganz vorne mit dabei, nicht nur aufgrund der Tracklist, ist „Lost Fires“, das sich erst einmal an den Track herantasten muss und tatsächlich mit mehr Harmonien, mit mehr Fingerspitzengefühl überrascht. Selbstverständlich bleibt es nicht dabei, wie wohl sich die butterweichen Harmonien prima mit technisch versiertem Prog verbinden. Starke Gesangsmelodien kollidieren mit urplötzlich wechselnder Stimmung und gespannter Atmosphäre. Ein Ritt auf dem imaginären Pulverfass wird immer wieder von filigraner Nachdenklichkeit eingebremst.
Derlei Extreme machen Laune und zerren Hypno5e im besten Sinne in neue Richtungen. Wie in „Bare Bones“, das wiederholt gegen imaginäre Windmühlen kämpft und verspielte Idylle – gewisse Vergleiche mit Pink Floyd kommen nicht von ungefähr – von dissonanter Djent-Aggression zerpflücken lässt. Bei gemächlichem Tempo wiegt ein nahezu steter Kampf zwischen den Gezeiten, Ausgang ungewiss. Auch „Falmer“ brennt sich schnell ein, weil die Franzosen hier ihren geifernden Spielwitz erkennen lassen. Das sollte eigentlich ein Widerspruch in sich sein, doch macht die zwischenzeitlich groovende Explosivität richtig Laune und erinnert stellenweise an eine rabiate Version der Landsleute Gojira.
Ihr kürzestes Album seit geraumer Zeit braucht vergleichsweise lang, um so richtig zu sacken. Zumindest so etwas wie Stillstand braucht man nicht zu befürchten, das wird schnell klar. Hypno5e distanzieren sich keinesfalls von ihren jüngsten Platten, entwickeln diese bloß weiter und klingen dadurch tatsächlich eine Spur unmittelbarer als zuletzt. Deutlich mehr ruhige Momente, Retro-Prog-Vibes und feine Klinge sorgen für frischen Wind der erst einmal gewöhnungsbedürftigen Art. An die Ausnahmeklasse ihrer letzten Platten kommt „Trame Noire“ zwar nicht ganz heran, dennoch pendeln sich Hypno5e einmal mehr auf starkem Niveau ein.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 06.11.2026
Erhältlich über: Pelagic Records
Website: www.hypno5e.com
Facebook: www.facebook.com/hypno5e

