Heaven In Her Arms – The End Of Purification

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Es dauert bei den Post-Hardcore-Veteranen Heaven In Her Arms gerne mal etwas, doch die fast neuneinhalb Jahre seit ihrem letzten Album „White Halo“ sind für das Quintett aus Tokio dennoch rekordverdächtig. Nun finden sich die japanischen Urgesteine in einer komplett anderen Welt wieder und melden sich mit einer emotional aufgeladenen Platte zurück. Verlust, Trauer, Erinnerungen und Transzendenz stehen im Mittelpunkt von „The End Of Purification“, das verstärkt auf Atmosphäre, Düsternis und Beklemmung setzt.
Sieben zumeist überlange Songs zwingen beinahe in die Knie, auf faszinierende Weise. Da wäre beispielsweise der donnernde Opener „Dawn Yarn“, der in media res startet und mit ein paar wütenden, schwerfälligen Nackenschägen sofort ins Ohr geht. Ein erster Sprint, aggressive Screams, apokalyptische Töne ringsum und ein fatalistischer Gastbeitrag von PG2 (Enslave) begleiten diesen Husarenritt, der sich wiederholt häutet, vom minimalistischen Piano-Breakdown bis zur Untergangshymne in den Schlussminuten. Hingegen ist „Split Prayers“ mit Netako Nekota (Jyocho, heliotrope) daran interessiert, die kleine Flamme köcheln zu lassen. Klassische Metal-Einflüsse und nachdenkliche Klänge passen perfekt zur etatmäßigen Wut.
Und davon haben Heaven In Your Arms mehr als genug im Gepäck. In „Iron Wire And A Canary“ muss sie sich erst finden, verbirgt sich hinter einem ausgedehnten, bittersüßen Intro. Selbst ein paar Zeilen Klargesang können das Unvermeidliche nur kurz bremsen. Mehr und mehr spitzt sich das Geschehen zu, bis zu einem Meer an Double-Bass-Salven und semi-hymnischer Dramaturgie, die von dissonanten Sprints und schmerzenden Schreien torpediert wird. Die abschließende Fanfare nebst gesprochenem Wort nimmt in den Arm. Vergleichsweise kurz und pointiert gibt sich „Threads Of Collapse“ und hält sich weitestgehend in einer Art Vorhof der Screamo-Hölle ab. Wütende Saitenhexerei, verspielte Keyboard-Flächen und bestialische Screams attackieren dafür sämtliche Sinne gleichzeitig.
So herrlich desolat sind selbst Heaven In Her Arms vergleichsweise selten unterwegs, nicht nur aufgrund der langen Wartezeit. Ein wahres Bollwerk von einem Comeback-Album führt die Grenzen von Screamo, Post-Hardcore und Post Metal an deren Limit. Das liegt nicht zuletzt am deutlich stärkeren Fokus auf Atmosphäre und Beklemmung, unter anderem durch ausgedehnte Keyboard-Flächen, lange Intros und Outros sowie unwirtliche, urplötzliche Explosionen ausgedrückt. „The End Of Purification“ hievt seinen Hang zu kompletter Überforderung auf ein komplett neues Level und hinterlässt zermürbt, gequält und verletzt zurück – ein weiteres Happening einer starken Band.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 13.11.2026
Erhältlich über: Banshies
Website: heaveninherarms.com
Facebook: www.facebook.com/heaveninherarmsjapan

