Cult Of Luna – In The Shadow Of Your Shadow

(c) Chad Michael Ward
Stillstand ist die einzige Sache, die Johannes Persson wirklich Angst macht. Während es dem Gitarristen, Sänger und Mitbegründer von Cult Of Luna relativ egal ist, was andere Menschen über die Musik denken, würde er wohl aufhören, wenn ihn selbst das Gefühl überkäme, auf der kreativen Stelle zu treten. 25 Jahre nach ihrem ersten Album blicken die Schweden offenkundig weiterhin mit frischen Ideen und Nuancen nach vorne. Nach dem Abschluss einer hochspannenden wie herausfordernden Trilogie beschreitet „In The Shadow Of Your Shadow“ nun neue Pfade in gewohnt vertrauten Gefilden.
Soll heißen: Cult Of Luna brechen keinesfalls mit ihrem Sound, sorgen aber für frischen Wind auf Raten. Im Angesicht eines herben persönlichen Verlusts geschrieben, setzt sich das Album mit intensiven, teils über Jahre verborgenen und vergrabenen Gefühlen auseinander, die an die Oberfläche dringen. Das hört man dem betont freudlosen, kargen Sound an, wie im eröffnenden Titelsong. Persson erklärt Schmerz und Trauer zum Parasiten, der eine entstellte Seele erobert. Anfängliche Synthetik führt auf die falsche Fährte, denn dahinter verbirgt sich purer Schmerz, den selbst ein nahezu hoffnungsvoller Mittelteil nicht annähernd tilgen kann.
Besonders deutlich wird dieser innere Kampf in „One More Day“, dessen depressives Ringen mit dem Leben nach dem Verlust von überraschenden Gothic-Einschüben unterbrochen wird. David Eugene Edwards von 16 Horsepower erinnert an die klaren Momente von Napalm Death – großes Kino inmitten zwölf schleppender, zermürbender Minuten. Edwards ist nicht der einzige Gast auf diesem Album: Joe Duplantier (Gojira) gibt sich in „Sadness Will Reign“ ein kleines Stelldichein und trägt den vergleichsweise kurzen Track durch doomig groovende Metamorphosen. Die Zwischensprints des ansonsten zermürbenden „The Rift“ bleiben ebenso hängen wie die kurzen glockenhellen, schüchtern hoffnungsvollen Momente von „Burial“, dessen intensive Auseinandersetzung mit Sterblichkeit doch stets der für Cult Of Luna typischen Finalität unterworfen bleibt.
Und die hat es ein weiteres Mal in sich, sobald man die geradezu obligatorische Überforderung überwunden hat. Mehr als 70 Minuten Musik erschlägt natürlich erst einmal mit wachsender Begeisterung, wie das bei Cult Of Luna quasi üblich ist. Und dann, mit jedem weiteren Durchlauf, wird das Gehörte verarbeitet. Dringen neue Ideen an die Oberfläche. Häuten sich Monolithen in betonter Gemächlichkeit. Ein wenig frischer Wind, packende Düsternis, beklemmende Fanfaren und etatmäßige Brutalität verleihen „In The Shadow Of Your Shadow“ die obligatorische Würze einer Trauerarbeit, die nie so ganz abgeschlossen scheint. Während ein Malström an Emotionen an die Oberfläche dringt, torpedieren die Schweden den Gefühlshaushalt wieder und wieder. Erneut legen Cult Of Luna ein Meisterwerk vor – wieder etwas anders, angenehm vertraut und so zerstörerisch, so aufwühlend wie eh je.
Wertung: 9/10
Erhältlich ab: 06.11.2026
Erhältlich über: RED CRK Recordings (OPEN)
Website: www.cultofluna.com
Facebook: www.facebook.com/cultoflunamusic

