SEK – Wallensteins Garage

(c) Toni Petraschk
Musiker so illustrer Bands wie Gavial, Elder und Gaffa Ghandi drehen die Uhr etwa 400 Jahre zurück: Hinter SEK verbergen sich Paul-Willy Stoyan, Georg Edert und Lucas Kazzer, die auf ihren beiden bisherigen DIY-Kassetten-Releases bereits ihren rein instrumentalen Sound zwischen Psych, Prog, Kraut und spaciger Experimentierfreude etablierten. Ihr erstes komplettes Album behandelt einen legendären Feldherr des Dreißigjährigen Krieges: „Wallensteins Garage“.
Gut, eine tatsächliche Garage hatte Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein vermutlich nicht, wohl aber ein bewegtes Leben. Zentraler Ankerpunkt dieser Platte ist „Die Schlacht bei Lützen“, eine neunminütige Abhandlung über jene desaströse Auseinandersetzung mit den Schweden, die Wallenstein Feldmarschall Pappenheim sowie sein geliebtes Pferd Amore Mio kostete. Wenig überraschend ist dieser Track voller kleiner Wendungen, reitet recht forsch und blickt doch dem Verderben entgegen. Zunehmende Entschleunigung und eine hoffnungsvolle Coda, die von einer singenden Gitarre gestört wird, hinterlassen angenehm ambivalent.
Gleich zwei Songs widmen sich dem geliebten Pferd, „Amore Mio“ und „Amore Mios Ende“. Wirkt ersterer Track zunächst noch grazil und anmutig, verfinstert sich das Arrangement im Schlussakt und wirft mit Vorahnung um sich. Der große Abschluss eskaliert in schwerfälliger Gemächlichkeit, sägt gar metallisch und ohrenbetäubend, bevor schlussendlich die Leere bleibt. Eine solche macht sich auch in „Auftritt zu Pappenheim“ breit, wenn einen erlöschenden Herzschlag simulierende Drums nach einer wahnwitzigen Tour de Force mit wiederholter schroffer Eskalation das Epos beenden.
War der eröffnende Titelsong noch vergleichsweise freundlich, fast hoffnungsvoll unterwegs, so ändert sich die Stimmung letztlich schnell. SEK entfachen wahre Sogwirkung für die Katastrophe und schaffen musikalische Begeisterung trotz thematischer Vorhersehbarkeit. Die Verbindung psychedelisch-krautiger Instrumentalmusik mit historischen Themen ist eine mehr als nur spannende Idee, mitreißend und hypnotisierend umgesetzt. „Wallensteins Garage“ arbeitet als Soundtrack zu einem imaginären Film und schafft imposante Bilder im Kopf – ein packender Einstand, in dem man sich wunderbar verlieren kann.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 30.10.2026
Erhältlich über: Exile On Mainstream Records (Cargo Records)
Facebook: www.facebook.com/Stoyanedertkazzer

