Entheos – Empty On The Inside

| 22. Oktober 2026 | 0 Comments
Entheos

(c) Sav Bagshaw

Wahnwitzige Unvorhersehbarkeit bleibt eine der größten Stärken von Entheos. Während „Time Will Take Us All“ zuletzt den Härtefaktor deutlich nach oben schraubte, wird es für Prog- und Tech-Death-Fans nun schwierig. In neuer Besetzung – Sängerin Chaney Crabb und Multi-Instrumentalist Navene Koperweis wurden von den Gitarristen Scott Carstairs (Fallujah) und Michael Stancel (Allegaeon) sowie dem mittlerweile ausgestiegenen Evan Brewer unterstützt – ignoriert man vertraute metallische Extreme zwar keinesfalls, taucht aber stärker in Alternative-Klänge der 90er Jahre ein. „Empty On The Inside“ gibt sich hymnischem Wahnsinn mit scharfkantigem Unterbau hin.

Tracks wie „Hollow“ klingen nach Neuanfang, ignorieren keinesfalls die bisherigen Platten und bringen doch frischen Wind ein. Ruhige, unbequeme und finstere Töne dominieren ominöse Strophen. Die erwartete Ballade stellt sich aber keinesfalls ein, sondern wird von harschen Vocals im zunehmend eskalierenden Chorus zerlegt. Dennoch ergibt sich wunderbar bedrückende Schwere mit Nu-Beigeschmack, der Laune macht. In „Undone“ setzt es tatsächlich mehr Rock, blubbernde Elektronik und ordentlich Drama. Giftige, geradezu geifernde Aggression aus dem Nichts torpediert die gespannte Grundstimmung einmal mehr mit wachsender Begeisterung.

Wer sich den Wahnsinn früherer Platten zurückwünscht, wird unter anderem in „Pale Faith“ fündig, das technischen Anspruch mit schweißtreibendem Groove verbindet. Engelsgleicher Gesang mittendrin führt den Track wunderbar ad absurdum, speziell nach dem monströsen Breakdown. „Hell Is A Part Of Me“ darf durchaus als Kampfansage verstanden werden und kocht ab der ersten Sekunde über. Konstant wechselnde Stimmung, wütender Gegenwind und der nächste überlebensgroße Refrain machen ebenso Laune wie die Djent-Tunings von „Call My Name“, das mit Thrash-Riffs und technischem Prog die letzten Platten in zähe Extreme weiterdenkt.

Stillstand ist Gift für Entheos, die ihren Sound ein weiteres Mal aufbrechen und den Fokus etwas shiften. Der technische Anspruch der Vorgänger ist keinesfalls verloren gegangen, wird nun bloß anders verpackt. „Empty On The Inside“ setzt brachiale Eruptionen in konzentrierten Dosen ein und zerrt 90s-Magie in den Vordergrund. Dicke Hymnen, knackige Riffs, Nu- und Crossover-Einflüsse sowie Gothic-Düsternis sind nur einige der Zutaten, die diese knackige, angenehm ungewöhnliche Platte tragen. Gespannte Atmosphäre und intensivste Texturen treffen auf packende Songs und stellen das bislang kompakteste, stärkste Album der Band da. Entheos reißen mehr denn je mit und pendeln sich auf hohem Niveau ein.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 23.10.2026
Erhältlich über: Metal Blade (OPEN)

Website: www.entheosofficial.com
Facebook: www.facebook.com/entheosband

Tags: , , , , , ,

Category: Magazin, Reviews