Half Me – Dogma

| 21. Oktober 2026 | 0 Comments
Half Me

(c) Half Me / Arising Empire

Das Ende des Seins ist womöglich unumgänglich. Auf ihrem neuesten Streich gehen Half Me davon aus, dass die der Welt und der Gesellschaft bereits zugefügten Schäden irreversibel sind. Lösungen gibt es keine, wohl aber Inspiration, den Status Quo zu hinterfragen und sich kritisch mit Systemen auseinanderzusetzen, die Angst und Gleichgültigkeit unterstützen. Mit im Gepäck haben die Hamburger wüsten, experimentellen und donnernden Hardcore mit metallischer Schlagseite. „Dogma“ schraubt Härte und Finsternis deutlich nach oben.

Tracks wie „No Oasis“ nehmen keine Gefangenen, rütteln wach und verteilen ab der ersten Sekunde Arschtritte. Hohes Tempo, wuchtige Produktion, fiese Screams und angedeutete melodische Momente führen von präzisen Nackenschlägen zu hymnischen Momenten sowie einem post-apokalyptischen Zusammenbruch. Die Luft ist aber nur kurz raus, denn die drückenden Drums zerlegen direkt wieder alles. Als Gegenpol reduziert „Psalm“ die Instrumentierung über weite Strecken auf ein Minimum, die Vocals sind zumeist mit einer Art Marsch in Richtung Abgrund alleine. Selbst das schwerfällige Aufbranden im Schlussakt fällt schaumgebremst aus, klingt dabei aber so gefährlich wie menschenmöglich.

„Built On Your Blood“ trägt einen der deutlichsten Kommentare zu den zerstörerischen, ausbeuterischen auto- und technokratischen Systeme der Gegenwart bereits im Titel. Wenig überraschend schneidern Half Me daraus eine geifernde Frontalattacke, packen etwas rohe Gewalt Marke Seeker drauf und mähen zwischendurch im Vollsprint Scheuklappen nieder. Das spitze „Splinter In A Rusted Crown“ bohrt sich in die schwindende Gehirnmasse und zuckt gerade in der zweiten Hälfte wiederholt aus. Zum Ausschluss benötigt „Coup d’État“ keine zwei Minuten, um mit Power Hits am laufenden Band das Licht auszumachen.

Ungeschönte Wahnsinnstaten breiten sich eine halbe Stunde lang mit unheilvollen Schwingen aus, halten einen Spiegel vor und zerschmettern diesen immer wieder, weil ein wenig mehr Unglück auch schon egal ist. Half Me geben weiterhin einen feuchten Kehricht auf bekömmliche Kost, drehen alle Regler auf Elf und langen noch beherzter zu. Die pure, ungeschönte Urgewalt von „Dogma“ macht kaputt, was bereits lange gebrochen ist, und gestaltet seinen modernen Hardcore-Ansatz unnachgiebig, zugleich vielschichtig und selbst im gefühlten Untergang mit emotionaler Tiefe ausgestattet. Das hier brennt gar wunderbar.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 23.10.2026
Erhältlich über: Arising Empire (Edel)

Website: www.halfme.band
Facebook: www.facebook.com/halfmeband

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Category: Magazin, Reviews