
Woher kommt sie eigentlich, die Faszination für Ulme? Liegt es an ihrer "Pionierrolle für aus Deutschland stammenden Noise-Rock", oder sind es die regelmäßigen spektakulären Implosionen in Richtung Veröffentlichungstermin? Die krautig-komplizierte EP "The Sea In Me" war nicht gerade ein Offenbarungseid, aber das neue Studioalbum "Tropic Of Taurus" ist größer, schwerer, kratzbürstiger.
Was für ein wahnwitziger Einstieg ist in dieses Album gelungen. "Rubber P." lässt Ulme zu den deutschen Mastodon werden. Arne Heesch entlockt seinen Stimmbändern unglaubliche Klänge, getragen von schwer verzerrten Riffwänden und einer psychotischen Atmosphäre. Und dann "Sisyphus, Crack The Stone!" mit seinem eröffnenden Vers "Dear lovers, fuck you all" – eine in Moll gekleidete Placebo-Referenz? Die getragene, schwermütige Atmosphäre würde den Briten zumindest die Eier geben, die sie auf ihrem aktuellen Album vermissen lassen.
Für die knackige, geordnet krachige Produktion ist im Übrigen Kurt Ebelhäuser (Blackmail, Scumbucket) verantwortlich, der gemeinsam mit Heesch das Duett "Orpheus" singt – er ist sozusagen die gesungene Schönheit, die aufreizend vor der Höhle des Löwen tanzt. Nicht nur, dass Ebelhäuser Ulme in geregelte Bahnen gelenkt hat – ohne dass die wüsten Ausbrüche und kakophonischen Noise-Attacken in ihrer Intensität darunter zu leiden hätten – er scheint Drahtbürsten-Fetischisten auch waschechte Hits zu entlocken. Gerade das kühle, morbid becircende "Saviour" klingt stark nach Produzenten-Verdienst.
Keine Sorge, Ulme sind nicht plötzlich zu einer Placebo verherrlichenden Radioband geworden. Die mit Abführmittel getränkte Liebeserklärung "My Heart Stops Beating (When Yours Is Near)" ist nämlich ein waschechter Hit im typischen Bandsound – monolithisch, schreigewaltig, fies und doch eingängig. Daneben steht "Girl Of The Sea", eine weit über acht Minuten lange Post-Stoner-Hymne (ja wie jetzt?), ein Hautorgasmus, ein Spannungsbogen um drei Buchenwälder.
Das alles und viel mehr ist "Tropic Of Taurus" – ein Album, das eine Liebeserklärung verdient hat. Einen dicken Schmatzer mit einem Reißnagel. Einen Zungenkuss mit Analbleiche. Hässlichkeit durch den Amp, Schmutz im Verteilerkasten. Die neue Sachlichkeit dank "Shooting Stars" (mit Vic Reeves und Bob Mortimer). Jetzt dürft ihr auch wieder implodieren, ihr Ulmen.
Wertung: 9/10
Erhältlich ab: 02.10.2009
Erhältlich über: Nois-O-Lution (Indigo)
Website: www.ulme-music.com
Myspace: www.myspace.com/ulmemusic
Was für ein wahnwitziger Einstieg ist in dieses Album gelungen. "Rubber P." lässt Ulme zu den deutschen Mastodon werden. Arne Heesch entlockt seinen Stimmbändern unglaubliche Klänge, getragen von schwer verzerrten Riffwänden und einer psychotischen Atmosphäre. Und dann "Sisyphus, Crack The Stone!" mit seinem eröffnenden Vers "Dear lovers, fuck you all" – eine in Moll gekleidete Placebo-Referenz? Die getragene, schwermütige Atmosphäre würde den Briten zumindest die Eier geben, die sie auf ihrem aktuellen Album vermissen lassen.
Für die knackige, geordnet krachige Produktion ist im Übrigen Kurt Ebelhäuser (Blackmail, Scumbucket) verantwortlich, der gemeinsam mit Heesch das Duett "Orpheus" singt – er ist sozusagen die gesungene Schönheit, die aufreizend vor der Höhle des Löwen tanzt. Nicht nur, dass Ebelhäuser Ulme in geregelte Bahnen gelenkt hat – ohne dass die wüsten Ausbrüche und kakophonischen Noise-Attacken in ihrer Intensität darunter zu leiden hätten – er scheint Drahtbürsten-Fetischisten auch waschechte Hits zu entlocken. Gerade das kühle, morbid becircende "Saviour" klingt stark nach Produzenten-Verdienst.
Keine Sorge, Ulme sind nicht plötzlich zu einer Placebo verherrlichenden Radioband geworden. Die mit Abführmittel getränkte Liebeserklärung "My Heart Stops Beating (When Yours Is Near)" ist nämlich ein waschechter Hit im typischen Bandsound – monolithisch, schreigewaltig, fies und doch eingängig. Daneben steht "Girl Of The Sea", eine weit über acht Minuten lange Post-Stoner-Hymne (ja wie jetzt?), ein Hautorgasmus, ein Spannungsbogen um drei Buchenwälder.
Das alles und viel mehr ist "Tropic Of Taurus" – ein Album, das eine Liebeserklärung verdient hat. Einen dicken Schmatzer mit einem Reißnagel. Einen Zungenkuss mit Analbleiche. Hässlichkeit durch den Amp, Schmutz im Verteilerkasten. Die neue Sachlichkeit dank "Shooting Stars" (mit Vic Reeves und Bob Mortimer). Jetzt dürft ihr auch wieder implodieren, ihr Ulmen.
Wertung: 9/10
Erhältlich ab: 02.10.2009
Erhältlich über: Nois-O-Lution (Indigo)
Website: www.ulme-music.com
Myspace: www.myspace.com/ulmemusic


