Wheel – Resident Human

| 24. März 2021 | 0 Comments
Wheel

(c) Ville Juurikkala

Eigentlich sollte es mittlerweile müßig sein, über die scharfen Einschnitte für Kunstschaffende zu schreiben. Natürlich war auch die Welt von Wheel auf den Kopf gestellt worden – die Europa-Tour sowie die erste Reise in die USA mussten abgesagt werden, zudem verschoben sich die Aufnahme-Sessions mehrfach. Zur Krönung setzte ein Burnout Sänger und Gitarrist James Lascelles einige Zeit außer Gefecht. Letzteres entpuppte sich als Glück im Unglück, da laut eigener Aussage danach die besten Lyrics der Platte entstanden. Diese heißt „Resident Human“, ist der zweite Longplayer der britisch-finnischen Band und stellt irdische Ereignisse in den Kontext eines Universums, dem diese ziemlich egal sein dürften.

Drei Giganten, drei kurze Episoden und ein sanfter Abgang säumen dieses Kunstwerk mit Sci-Fi-Ausprägung. Schnell etabliert sich der Opener „Dissipating“ als großer Favorit. Dabei wirkt der Auftakt recht brav, fast schon nichtssagend, arbeitet sich über Stimmung und dichte Atmosphäre langsam nach vorne. Je länger der Track dauert, desto kraftvoller und wütender wird er, bis das Finale mit stakkatoartigen Djent-Elementen alles niederreißt. Hier knüpft „Movement“ an, einer der kürzeren Songs und zugleich relativ geradlinig. Ruhige Strophen, metallische Explosivität im Refrain und beklemmende Atmosphäre dazwischen verlassen sogar kurzzeitig die Prog-Landschaft mit dezenten Deftones-Vergleichen neben den beinahe obligatorischen Tool.

Überhaupt entwickelt diese Platte einen herrlichen Fluss über 50 epische Minuten. Der Titeltrack „Resident Human“ bäumt sich prima hinsichtlich Heavyness auf, fletscht mit den Zähnen und lässt die Muckis spielen. In der zweiten Hälfte wachsen Wheel so richtig über sich hinaus, führen gleich mehrmals auf die falsche Fährte und brillieren durch ungeahnte Instrumental-Kunst, die donnernde Salven mit fragiler Nachdenklichkeit paart. Hingegen bringt „Fugue“ genau das auf den Plan, was der Titel vermuten lässt – emotionale Schwere, butterweiche Sinnsuche, filigrane Melodieführung. So nahe war man dem klassischen Prog-Feld bislang nur selten.

Potenzial: realisiert. Wheel nutzten die unfreiwillige Downtime hervorragend für ein anspruchsvolles, zugleich hochgradig eingängiges Prog-Album der überwiegend modernen Schule mit Elementen aus Alternative, Djent und Metal. „Resident Human“ ist ein komplexer, vielschichtiger Bastard mit ordentlich Anspruch und großem Suchtfaktor. Fantastische Wendungen, clevere Kniffe und gewohnt hohe Musikalität geben sich eine weitere große Klinke in die Hand. Noch scheint ein klein wenig Luft nach oben vorhanden zu sein, die Zeichen stehen auf großen Durchbruch. Und der wäre mehr als verdient für diese sympathische Truppe.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 26.03.2021
Erhältlich über: OMN Label Services (Rough Trade)

Website: wheelband.net
Facebook: www.facebook.com/wheelband

Slider-Pic (c) Ville Juurikkala

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Category: Magazin, Reviews

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