Arcaeon – Cascadence

| 8. Februar 2021 | 0 Comments
Arcaeon

(c) EJHennell Photography

Metal, Gaming und Farbenlehre: Arcaeon machen keine halben Sachen. Das britische Quintett, vor drei Jahren mit der EP „Balance“ erstmals in Erscheinung getreten, zeigt sich betont ambitioniert und engagigert. Ihr Sound, der sich irgendwo zwischen Metalcore und modernem Prog platziert, ist für sich bereits eine angenehm komplexe Angelegenheit, schlägt auf dem Full-Length-Einstand „Cascadence“ nun in ein Konzeptwerk über die Wirkung von Farben um. Zur Krönung gibt es ein eigenes Gameboy-Spiel, ein Musikvideo mit Gameboy-Footage und eine eigene 16-Bit-Version des Albums. Die Motivation stimmt.

Jetzt muss nur noch die Musik stimmen, und das tut sie auf jeden Fall. Nach einem kurzen Intro springt „Origin Of Dreams“ förmlich in media res und strahlt kurzweilige Zerstörung aus. Der Song an sich wogt gar wild hin und her, scheint am laufenden Band durch die Decke zu gehen. Das liegt unter anderem an Stuart Sarre, der scheinbar mühelos zwischen packendem Klargesang und zerstörerischen Growls herumspringt, während bewegend-melodische Atmosphäre und pure Aggression das Nervenkostüm strapazieren. „Beyond The Spires / Beneath The Canopy“ kniet sich sogar noch tiefer in seine wilden Extreme hinein mit furioser Urgewalt und beinahe balladesken Exkursen.

Zwischen diesen Welten baut sich in Windeseile packende Stimmung auf, der Sound fasziniert. Der „Zenith“-Zweiteiler treibt dies auf die Spitze und findet sogar etwas Zeit für Gaming-Einflüsse jenseits gewisser thematischer Anleihen – Teil eins überrascht mit Synthwave, während der zweite Abschnitt große Prog-Fanfaren lostritt. Davon hat „Cascade“ mehr als genug am Start, schraubt den Härtegrad deutlich nach unten und bewegt sich noch am ehesten im Fahrwasser alter Veteranen. Zum Ausgleich serviert „Ghost In The Machine“ zerstörerische Wucht, die selbst erfahrene Metalcore-Hörer vor Herausforderungen stellt, sich tief in Death-Gefilde hineinkniet. Das aufwühlende „An Endless Sky“ lässt zum Schluss schließlich alle Fäden zusammenlaufen und nimmt noch einmal alles an Härte und Anspruch mit.

Der Wahnsinn treibt mitunter hochspannende Blüten, Vergleiche mit Periphery und Monuments drängen sich förmlich auf. Tatsächlich steckt hier alles drin, was im Progcore-Bereich Rang und Namen hat. Wobei, das liest sich, als wäre „Cascadence“ ein reines Netzwerk an Zitaten – mitnichten! Arcaeon erweisen sich auf diesem Einstand als anspruchsvolle wie ansprechende Insitution technischer Versiertheit, großer Melodien und derber Überraschungen. Brachiale Epik, wütende Wendungen und eine schwer in Worte zu kleidende Atmosphäre begleiten dieses von vorne bis hinten spannende Debüt, das wie das Werk erfahrener Veteranen klingt. Arcaeon sorgen in Großbritannien seit geraumer Zeit für Furore, nun sollte auch der Rest der Welt folgen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 12.02.2021
Erhältlich über: Eigenvertrieb

Facebook: www.facebook.com/arcaeonuk

Slider-Pic (c) EJHennell Photography

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Category: Magazin, Reviews

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